Unisex-Puppen Mattel
© 2019 Mattel

Sie haben keinen Namen. Sie haben kein offizielles Geschlecht. Mit der Linie „Creatable World“  präsentiert Mattel seine neue Spielzeuglinie. Der Clou: Es handelt sich um Unisex-Puppen, die einen Gegenentwurf zu klischeebehafteten Barbie darstellen…

Ich habe es früher geliebt mit Barbies zu spielen. Sie hießen Rosa und Ramella und eine von beiden hat sich in jeder meiner Geschichten immer, also wirklich IMMER, auf der Tanzfläche einer coolen Disco in Ken verliebt. Der hieß bei mir aber Alex. Künstlerische Freiheit.

Ich bin aber auch in den 1980er Jahren geboren. Ich wurde offen, aber heteronormativ erzogen. Das ist kein Vorwurf. Das ist einfach nur so. Barbies und das stereotype Bild, dass das blonde, dünne, vollbusige Püppchen repräsentiert, wurden zu dieser nicht so stark hinterfragt, wie heute.

Es ist gut, dass das heute anders ist. Heute leben wir in diverseren Zeiten, in einer Zeit der neuen Aufklärung. Body Neutrality, Sex Positivity, Gender Pay Gap, Orgasm Gap, Diversity: All das sind Themen, die unsere Gesellschaft mehr denn je bewegen. Zumindest in urbaneren Gegenden dieses Landes. Doch in Sachen Puppen gab es lange keine genderneutralen Alternativen. Bis jetzt. Denn die neuen Unisex-Puppen von Mattel haben weder ein eindeutiges Geschlecht, noch einen Namen. Viel eher ist die Spielzeuglinie eine weiße Leinwand, die von jedem Kind anders gestaltet werden kann.

Mattel reagiert auf die Zeichen der Zeit

Damit reagiert der Spielzeuggigant auf die Zeichen der Zeit. Gut so. Denn lange genug hatte Mattel dies mit Barbie verschlafen. Das hatte Folgen: Zwischen 2012 und 2014 brachen die Verkaufszahlen um rund 20 Prozent ein. Frauenrechtler*innen als auch Ernährungsexpert*innen warnten vor der Plastikblondine. Und vor ihrer zweifelhaften Vorbildfunktion. Mattel änderte die Strategie und präsentierte bereits vor einiger Zeit eine diverse Puppe: Es gibt kurvige oder dünne Barbies, solche mit Glatze, mit Prothese oder Barbies im Rollstuhl.

Die Unisex-Puppen von Mattel sind aber noch ein größerer Wurf und ganz ohne Frage auch ein Marketing-Schachzug. Die Linie richtet sich an alle Kinder. Ganz egal, welchen Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Oder eben nicht. Die Puppen kommen in Sets mitsamt Accessoires, Kleidung und Perücke. Das Gesicht ist wiederum so kindlich gehalten, dass es nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden kann. Die Idee: Die Kinder sollen ihrer Phantasie freien Lauf lassen und selbst entscheiden, wie die Puppe aussehen soll. Und welches Geschlecht heute dran ist. Je nach Geschichte. Das Interessante: Fokusgruppentests mit Kindern, so berichtet es der ICONIST, zeigten, dass die Kids nicht einen speziellen Charakter erschufen. Stattdessen wechselten die Charakter alle paar Minuten. Je nachdem, in welchem Setting sich die Puppen gerade befinden.

Kann die Unisex-Puppe Geschlechterrollen brechen?

Genderneutrale Eltern dürften jetzt aufatmen. Wie oft habe ich in Gesprächen mit befreundeten Eltern schon die Klage über die Zweiteilung der Kinderwelt gehört: Mit der hübschen Barbie im Glitzerkleid auf der einen Seite und dem mutigen Cowboy auf der anderen.

Doch leider ist auch heute das Thema Gender Neutrality immer noch ein gigantisches Aufregerthema. „BOYS WILL BE BOYS“, höre ich die Internet-Trolls jetzt schon aufschreien. Und überhaupt: Was kann so eine doofe Puppe schon anrichten?

Klar! Die Unisex-Puppen von Mattel sind keine Heilsbringer. Und für Eltern, die selbst mit Stereotypen aufgewachsen sind, ist es in der Erziehung ohnehin nicht leicht, diese Stereotypen in manchen Bereichen des Lebens nicht weiterzugeben. So sehr man sich auch anstrengt. Es ist fast unvermeidbar, dass das eine oder andere „Klischee“ durchsickert. Zugleich will wohl kein Mensch, dass das eigene Kind gemobbt wird, weil es anders ist. Ein Beispiel: Wenn ein Junge mit seiner Barbie im Glitzerkleid in die Kita geht, weinend nach Hause kommt, weil er von den anderen Kids veralbert wurde, dann ist es für manche Mütter oder Väter sicherlich schwer, an ihren Prinzipien festzuhalten. Sich und die Erziehung der Kinder da an gesellschaftliche anzupassen, ist nur menschlich.

Aber genau da können die Unisex-Puppen einen guten Anfang darstellen. So können Kinder ganz unverfänglich sich dem Puppenspiel hingeben. Denn dass dadurch Kreativität und soziale Kompetenz gefördert wird, ist unbestritten und von vielen Studien bewiesen. Rein aus Genderneutralität gänzlich auf das Puppenspiel zu verzichten, wäre ja irgendwie auch schade. Insbesondere, wenn dabei so umwerfende Namenserfindungen wie „Ramella“ entstehen…

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