Body Neutrality

Der Tag, an dem ich begann, meinen Körper zu akzeptieren, wie er ist, liegt schon eine Weile zurück. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich mich nicht oftmals an ihm störe. Offen gestanden: Ich denke fast jeden Tag über meinen Körper nach…

Die Body Positivity Bewegung geht mir ziemlich gegen den Strich. Denn sie setzt voraus, dass wir unseren Körper lieben sollen. Aber Hand aufs Herz. Das Ziel ist wahnsinnig hoch gesteckt. Nein! Ich liebe es nicht, dass sich mein unterer Bauchlappen vorschiebt, wenn ich mich ganz normal (und unnatürlich aufrecht) hinsetze. Und die Pickel am Kinn, die einfach nicht verschwinden wollen (trotz 17-Schritt-Skincare-Routine) liebe ich auch nicht. Ich stehe meinem Körper ganz und gar nicht positiv gegenüber. Ein Anblick nervt mich manchmal sehr. Und das, obwohl er mich so tapfer durch meinen stressigen Alltag hievt!

Keine Frage: Die Body Positivity-Bewegung hat uns gesellschaftlich ein ganzes Stück nach vorne gebracht. Was vor einigen Jahren noch undenkbar war, wird jetzt zelebriert. Aber dennoch bedarf es, meines Erachtens, manchmal einen kritischen Umgang mit dem Begriff – und dem, was sich dahinter verbirgt. „Liebe Deinen Körper“, ruft es uns mittlerweile aus Magazinen, dem Instagram-Feed und den Laufstegen entgegen. Und alle antworten: „Ja, stimmt! Wir lieben unseren Körper!“. Und ich so: „Ähem….ähm. Naja. Manchmal, vielleicht?“ Offen gestanden setzt mich die Body Positivity Bewegung eher unter Druck. Denn: Wenn ich meinen Körper nicht liebe, wie ihr da draußen, genüge ich dann noch?

Body Neutrality: Ist das die Lösung?

Spannender ist da der Begriff Body Neutrality, denn dieser Terminus entzieht sich der Obsession um den eigenen Körper, der sich scheinbar immer zwischen Selbstoptimierung und Selbstliebe bewegt. Erstmals verwendete die US-Amerikanerin Melissa Fabello 2015 in einem Blogpost den Begriff und erklärte ihn direkt mit einem passenden Beispiel: „Body Neutrality heißt, sich morgens nach dem Aufwachen einfach als Erstes zu fragen: ‚Wie fühle ich mich in meinem Körper?‘ Es geht darum, herauszufinden, was du brauchst, um Dich gut zu fühlen, seien es Pancakes oder Oatmeal zum Frühstück, Wasser gegen Kopfschmerzen oder einfach noch eine Runde Schlaf.“ 

Aha! Ziel von Body Neutrality ist also, dass Du Deinem Körper neutral gegenüberstehen kannst. Er ist nicht gut, er ist nicht schlecht, er ist da. Die „Hülle“ für Deine Gedanken und Gefühle, die zwar Zuneigung und Pflege braucht und gut behandelt werden will. Aber die nicht der (einzige) Grund für Dein Wohlbefinden ist. Es geht, so abgedroschen das klingen mag, um die inneren Werte. Oder anders gesagt: Es geht darum, dass Du Dich weder besser findest, wenn Du Fett an Deinem Körper hast. Noch schlechter. Got it?

Naja…

Allerdings: Wenn es um das Selbstvertrauen zum eigenen Körper geht, gibt es auch in Sachen Body Neutrality keine schnelle Lösung. Ich werde mich nicht bedingungslos über Nacht akzeptieren, geschweige denn lieben. Innerlich vollkommen neutral zu sein und mit dem Aussehen im Einklang zu schweben – auch das ist ein Kampf. Und ich bin mir nicht sicher, ob wir ihn jemals gewinnen können.

Tatsache ist: Ich werde nicht jeden Tag die gleiche Liebe oder Akzeptanz oder Hingabe für meinen Körper empfinden. Wichtiger ist, dass es aber immer etwas Liebe gibt. Auch, wenn sich diese Liebe oder Akzeptanz nur in einem kurzen, flüchtigen Lächeln im Spiegel manifestiert. Und das ist schon okay so…

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