Menstruationstasse | Meine Erfahrungen

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Neulich las ich von einer kuriosen – oder eher – erschreckenden Zahl: 7296 Euro. So viel geben Frauen Zeit ihres Lebens allein für Tampons und Binden aus. Gezwungenermaßen! Weil sie keine andere Wahl haben. Ich war sauer. Und gleichzeitig froh, dass ich mich schon längst für die Menstruationstasse entschieden hatte. Denn damit spare ich nicht nur Geld. Ich lebe gesünder, hygienischer und ökologischer. Deswegen möchte ich Euch heute von meinen Erfahrungen mit der Menstruationstasse erzählen.

Sie heißen OrganiCap, Lunette, MoonCup: Menstruationstassen haben viele Namen. Es gibt sie online oder in der Drogerie. Am Ende ist es ziemlich gehupft wie gesprungen, für welche Marke man sich entscheidet – es handelt sich immer um ein  kelchähnliches Gefäß, bestehend aus medizinischem, weichem Silikon, Naturkautschuk oder dem medizinischen Kunststoff TPE. Und sie alle funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Sie werden in die Scheide eingeführt. Dort fängt sie die Menstruationsflüssigkeit auf. Anders als bei Tampons oder Binden saugt die Menstruationstasse das Sekret nicht auf. Sie sammelt es. Nach ein paar Stunden wird die Tasse nicht in den Müll geworfen, sondern vorsichtig entnommen, entleert, unter dem Wasserhahn gründlich ausgespült und anschließend wieder eingesetzt. Das ist das simple Prinzip. Und obwohl ich recht schnell von der Idee überzeugt war, brauchte ich erst den Stups einer Freundin, bis ich mich dazu überwindete, komplett umzusteigen. Denn ich fragte mich, wie die meisten wahrscheinlich: Ist das nicht alles ganz schön eklig und unhygienisch?

Die vielen Vorteile der kleinen Becher

Die Antwort lautet: Im Gegenteil! Die Tassen bestehen aus medizinischem Silikon, einem glatten Material, auf dem Bakterien eher selten siedeln. Seltener noch, als in Tampons. “Im Vergleich zu Tampons scheint die Menstruationstasse weniger Rückstände in der Scheide zu hinterlassen. Es wird auch vermutet, dass mit ihr sogar weniger Infektionen auftreten, da die Scheidenhaut nicht so stark gereizt wird und sich die Scheidenflora weniger verändert”, erklärt Dr. Maren Goeckenjan, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Dresden in der Apotheken Umschau.

Zudem ist die Menstruationstasse deutlich günstiger, da man sie – anständig gepflegt – über ein Jahr wiederverwenden kann. Es entsteht kein Müll. Die kleine Tasse hat mehr Fassungsvermögen als Tampons, sie muss nicht so häufig gewechselt werden. Plus: Die Tasse trocknet die Scheide nicht aus. Weil das Blut nicht wie bei Binden den Körper verlässt, entwickeln sich weniger unangenehme Gerüche während der Menstruation. Sport treiben ist überhaupt kein Problem, weil sich die Tasse perfekt dem Körper anpasst. Kein Bändchen schaut raus. Sie können problemlos beim Sport, Schwimmen oder sogar in der Sauna getragen werden.

Und gibt’s auch Nachteile bei Mensutrationstassen?

Nun. Bedingt. Zum einen muss der Becher gepflegt werden. Das ist kein Nachteil, aber eine Umgewöhnung. Vor der ersten Anwendung sollte die Menstruationstasse einige Minuten in kochendem Wasser sterilisiert werden. Und auch nach drei Tagen tragen empfiehlt es sich, die Tasse auszukochen. Zwischendurch genügt es, sie mit kaltem Wasser auszuspülen.

Das geht natürlich nicht überall. Im Büro, auf Gemeinschaftstoiletten oder an der Raststätte, wo sich das Waschbecken meist in einem Vorraum befindet, ist das Auswaschen des Bechers gar nicht so leicht. Hersteller empfehlen eine Wasserflasche mit in die Toilette zu nehmen und die Tasse dort auszuwaschen. Aber ja, das ist umständlich. Besser ist es, vorbereitet zu sein: Nehmt eine Ersatz-Menstruationstasse mit in der Tasche, inklusive Beutel oder Behälter. Die benutzte Tasse entleeren, mit Toilettenpapier säubern und gegen die neue austauschen. Zack. Problem gelöst.

Meine Erfahrung mit der Menstrautionstasse

Menstruationstasse

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Das erste Einführen war tatsächlich etwas ungewöhnlich. Man faltet die Menstruationstasse in der Mitte wie zu einem Herz. Am besten gelingt das Einführen in die Vagina in der Hocke oder auf der Toilette. Die Tasse faltet sich im Inneren des Unterleibs wieder auf. Es entsteht ein Vakuum und sie sitzt schön fest. Mit den Fingern kann man dann noch einmal erfühlen, ob alles passt. Aber bereits beim ersten Mal hat sich mein Becherchen perfekt “zurechtgeruckelt”. Wichtig ist natürlich immer, dass die Hände gewaschen sind – ähnlich, wie beim Tamponwechsel.

Das erste Mal die Menstruationstasse zu entnehmen, bedurfte bei mir etwas Übung. Laut Hersteller sollte ich erst einmal “pressen”, wie, wenn man pinkelt. Dadurch schob sich der Silikonbecher schon etwas vor. Es hilft dann aber, mit dem Finger auf eine Seite zu drücken, um das Vakuum zu lösen. Das allerdings gelang mir beim ersten Mal nicht einwandfrei, ich zerrte zu heftig und es wurde – nun ja – ein wenig blutig. Ich hatte dann aber schnell den Dreh raus und es auf eine Art wirklich faszinierend zu sehen, wie wenig Menstruationsflüssigkeit sich tatsächlich ansammelt. Selbst an den starken Tagen. Ein vollgesogener Tampon einem einem ja manchmal wirklich Angst. So viel Blut. Bei einer Menstruationstasse sieht man aber, dass die ganze Angelegenheit ziemlich überschaubar ist. Das bringt mich irgendwie näher zu mir und zu meinem Körper – und vor allem zu meiner wunderschönen, weiblichen Sexualität. Meine Periode ist keine “bloody hell”, es ist natürlich und okay. Und das ist ein gutes Gefühl.