Urban Scents “Dark Vanilla” | Marie Urban-LeFebvre über den neuen Duft

Urban Scents Dark Vanilla Marie Urban Le Febvre

Sie schneidert Düfte auf den Leib ihrer Kunden. Sie kreiert Parfums, die Geschichten erzählen. Sie ist Handwerkerin und Künstlerin in einem. Die Rede ist von Marie Urban Le Febvre, Inhaberin der Berliner Parfummanufaktur Urban Scents. Nun lanciert die Parfümeurin ihre neueste Kreation – Dark Vanilla. Im Interview spricht Marie über die Faszination der dunkeln Seite und über künstlerische Kooperationen.

Urban Scents Marie Urban-LeFebvre

Marie: Wohl jeder kennt den Duft von Vanille – was macht Dark Vanilla so anders ?

Jeder kennt den sehr süßen Duft von Vanille, der vom Vanillin kommt. Dark Vanilla fokussiert auf die tiefen, sinnlichen und dunklen Vanillefacetten anstelle der bekannten warmen und lieblichen Noten. Das ist eine komplette Neuinterpretation eines traditionellen Inhaltsstoffes.

Repräsentiert das neue Parfum also die düstere, verruchte Seite der sonst so niedlich, zuckrigen Vanille?

In der Tat habe ich auch die dunkele Seite der Vanille genommen. Alles was in der Schote steckt, das sind hauptsächlich tiefe, warme und würzige Noten. Vanille Bourbon, von der Insel Réunion.

Inwieweit faszinieren Dich dunkle Seiten – sei es bei Düften oder bei Menschen?

Ich glaube in allen von uns steckt stückweit eine Faszination für dunkle Seiten und unergründetes im Leben. In meinem Beruf ist es genau das, was mich immer wieder herausfordert. Duftstoffe in ungewöhnlichen Konstellationen zu finden. Bei Dark Vanilla haben wir erstmals eine Kombination mit der Essenz des Rooibos, der seine weichen Noten von Heu, rotem Tee und Honigwaben in einem Duft vereint.

Wie entstand die Idee zu Dark Vanilla?

Ich habe vor kurzem von einem kleinen Produzenten den Rohstoff Rooibos als Essenz zu riechen bekommen und war sofort ganz angetan. Das ist ein toller weicher, balsamischer Duft; an sich schon ein Parfüm.

Da wollte ich unbedingt gleich einen neuen Duft mit diesem Inhaltsstoff machen. Und die Kombination mit Vanille war einfach perfekt. Ich liebe die Insel Réunion (die früher Ile de Bourbon hiess) und da kommt auch die erste Wahl von Vanille her („Bourbon“ ist heute das Qualitätssiegel für ein Produkt, das von der Insel Réunion, den Komoren oder Madagaskar kommt).Die Menschen kennen eigentlich nur die süße Seite der Vanille, hauptsächlich durch den Vanillezucker in Mehlspeisen.

Auf den Inseln im Indischen Ozean verwenden wir die Vanilleschote um Fleisch- und Fischgerichte zu würzen.

Von der Idee zum fertigen Produkt: Wie gehst Du da vor?

Zunächst kreiere ich die Düfte im Kopf, dann gehe ich in mein Labor und wiege und erst danach weiss ich ob es wirklich so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe.

Die Inspiration kann sehr verschieden sein, wie zum Beispiel eine Erinnerung an den Geruch an einem Ort oder einer besonderen Situation. Ich immer trage meine Düfte um zu sehen wie sie auf der Haut reagieren. Und je nach dem Ergebnis modifiziere ich dann die Formeln.

Trotzdem bin ich fast nie allein wenn ich an Düften arbeite, es muss ja auch angenehm für die Menschen um mich herum sein.

Deine Düfte sind immer auch ein Stück weit Avantgarde: Betrachtest Du Dich als Künstlerin?

Ein Parfumeur Créateur ist wie ein Musiker, Maler oder Dichter auch ein Künstler, der mit Hilfe seines Geruchsinnes, Intuition und Wissen um die vielen Hunderte Rohstoffe, harmonische olfaktorische Kreationen schafft.

Und wie jeder andere Künstler auch, muss der Parfumeur sehr kreativ und passioniert sein und sich immer wieder neu erfinden…..

Speaking of: Du gehst immer wieder künstlerische Kooperationen ein – erzähl uns doch etwas zu Deiner jüngsten Zusammenarbeit mit dem Pergamonmuseum?

Es ist eine Zusammenarbeit für eine Ausstellung im Museum für Islamische Kunst. Es geht um einen Kaukasischer Drachenteppich aus dem 16. Jahrhundert, der im Bombenhagel auf Berlin 1945 schwere Brandschäden erlitten hat. Es blieben leider nur wenige Fetzen. Ich habe einen Geruch kreiert, der nach verkohlter Wolle, Brandbombe und Zerstörung riecht. Die Duftstation, die als Installation vor dem Teppich steht, soll uns das „olfaktiv“ veranschaulichen.

Was steht als nächstes bei Dir an: Auf welche Projekte dürfen wir uns freuen?

Gerade haben wir eine Installation für die Ausstellung „Road of Arabia“ im neuen Louvre Museum in Abu Dhabi gemacht.

Dann arbeiten wir an einem Projekt, das uns wirklich sehr am Herzen liegt. Es hat mit dem Mensch zu tun, und wie wir diesem in besonderen Situationen das Leben angenehmer gestalten können. Ein ganz besonders wichtiges Vorhaben, von dem wir hoffentlich bald mehr berichten können…

Danke Dir für das Gespräch!

Hier könnt ihr den Duft “Dark Vanilla” shoppen.


Bilder: PR