Qatar | Eine Reise ins Land der Widersprüche

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Wer gerne die Welt bereist, steht immer wieder vor einem Dilemma: Denn viele spannende Reiseziele sind zwar wunderschön – haben aber dunkle Schattenseiten. Kuba ist immer noch kommunistisch geprägt, die Menschen sind unfrei. Nur langsam öffnet sich das Land. In Myanmar wird die muslimische Minderheit der Rohingya verfolgt und getötet. In den USA ist ein wahnsinniger Despot an der Macht. In Dänemark gab es kürzlich einen gehörigen Rechtsruck. Von Sachsen ganz zu Schweigen. Ob Fernreise oder Wochenendtrip – in unserer heutigen Welt muss man sich als Reisender immer die Frage stellen: “Ist es vertretbar, hier, in diesem Land, an diesem Ort, Tourist zu sein?”

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Und eben diese Frage stellte ich mir auch, als die Einladung nach Qatar kam. Denn: Noch bis vor kurzem wurden Arbeitsmigranten aus Nepal, Pakistan und Indien in dem Land wie Sklaven gehalten. So behielten Firmen oft Gehälter ein, kassierten illegale Vermittlungsgebühren und konnten die Arbeiter daran hindern, ihren Job zu wechseln oder das Land zu verlassen. Von den lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen und den miserablen Unterbringungen ganz zu Schweigen. Hinzu kommt das Patriarchat, dass in Qatar herrscht. Männern ist es gestattet, bis zu drei Frauen gleichzeitig zu haben. Keine Frage: Qatar hat eine andere Kultur – dennoch fällt es mir als Frau schwer, das Patriarchat schulterzuckend hinzunehmen.

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Trotz aller Bedenken bin ich nach Qatar gereist. Warum? Reisen bildet. Reisen öffnet die Augen. Und kaum ein Land hat politisch oder regierungstechnisch eine blütenreine weiße Weste. Wichtig ist es, dass man den kritischen Blick auf die Dinge nicht verliert. Was mir in Qatar alles andere als leicht fiel. Denn in diesem Land glitzert und glänzt es so sehr – man könnte allzu leicht geblendet werden.

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Es glitzert, es glänzt – Es ist Doha

Was mir vor meiner Reise gar nicht so bewusst ist: Qatar ist das reichste Land der Welt. Und es wächst und wächst. Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten rapide angestiegen. In der Hauptstadt Doha wird ein Prachtwolkenkratzer nach dem nächsten hochgezogen. Qatar putzt sich, so kurz vor der WM, mächtig heraus. Und man kann nur staunend und wie hypnotisiert die Skyline bewundern, wenn man – wie wir – an einem Nachmittag auf einem Dhau (einem arabisches Zweimastschiff ) die Bucht von Doha zur Abenddämmerung erkundet.

Dabei wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Es verwundert kaum, dass sich reihenweise Luxushotels in der Hauptstadt des Landes wie Perlen aneinanderreihen. In zwei davon nächtigen wir. Dem very american anmutenden St. Regis Hotel und dem artifiziellen, erst Ende November 2017 eröffneten Mondrian Hotel. Die Häuser könnten unterschiedlicher nicht sein – nehmen sich aber in Sachen Luxus kaum etwas. Wer die gehobene Hotellerie schätzt, wird in Doha in jedem Fall fündig.

Auf einerseits den Prunk trifft andererseits Historie und Kultur: Wie die meisten arabischen Länder, ist man in Qatar stolz auf das Jahrtausende alte, kulturelle Erbe. Und das aus gutem Grund. Bewundern kann man zahlreiche Schätze der arabischen Welt im Museum of Islamic Art. Das Bauwerk, das von Stararchitekt I.M. Pei kreiert wurde, eine architektonische Augenweide. Im Inneren sind uralte Kunstgegenstände, Schmuck, Vasen und vieles mehr aus mehr als 1.000 Jahren islamischer Geschichte – eindrucksvoll in Szene gesetzt. Selten war ich von einem Museumsbesuch so angetan.

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Qatar Reise Katar ReiseVon den Terrassen des Museums of Islamic Art aus hat man im Übrigen einen tollen Ausblick auf die Skyline von Doha. Im Gegensatz zu Dubai versucht man hier nicht, die größten Gebäude zu bauen. Vielmehr übertrumpfen sich die Architekten mit außergewöhnlichen Formen. Alles mit dem Ziel, das schönste Bauwerk in die Skyline zu zaubern.

Die Fußball-WM: Am besten eisgekühlt genießen

Wer ebendieser Skyline noch ein wenig näher kommen möchte, dem sei eine Runde Rooftop-Yoga auf dem Hubschrauberlandeplatz des Shangri-La Hotels empfohlen. Ja. Das klingt dekadent.

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Vor allem ist das aber ein wahrlich atemberaubendes Erlebnis. Nur auf die Asanas kann ich mich unglücklicherweise an diesem Morgen kaum konzentrieren. Zu abgelenkt bin ich von dem Panorama. Und der Hitze. Denn die ist selbst im Oktober erbarmungslos. Es verwundert kaum, dass man sich in Qatar fast ausschließlich in klimatisierten Räumen aufhält.

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Im gleichen, heißen Atemzug wird mir zwischen dem herabschauenden Hund und dem Krieger bewusst: Dass die Fußballweltmeisterschaft in einem Land stattfinden wird, in dem an manchen Tagen 55 Grad Außentemperatur und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit herrscht, grenzt an Wahnsinn. Ohne Kühltechnik ist das undenkbar. Zwar brüstet sich Qatar mit seiner modernen Kühltechnologie für die Stadien, für die die Kraft der sengenden Wüstensonne genutzt wird. Dennoch gehört das Land – wie viele andere Nationen – durch die CO2-intensive Gasförderung und die niedrigen Benzinpreise nach wie vor zu einen der größten Klimasündern. Mir und meinem grünen Herzen wird ganz bange. Denn eines ist klar: Die anstehende WM 2022 ist alles andere als ein nachhaltiges Event. Aber Hands aufs Herz: Welche WM war jemals nachhaltig?

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Auf einen süßen Tee in den Souks

Natürlich steht in Doha auch ein Besuch der Souks an. Doch selbst die sind, ganz anders als beispielsweise in Marrakesch, aufgeräumt, sauber und herausgeputzt – und das, obwohl der Souk Waqif mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat. Hier trifft man vornehmlich die Einheimischen der Stadt (nur etwa 15 Prozent der zwei Millionen Einwohner in Qatar sind nämlich auch tatsächlich Katarer). In kleinen Privat-Clubs treffen sich die Männer, spielen Dame und trinken starken, süßen Schwarztee. Auch Frauen, so sagt man uns, seien willkommen. Doch von meinem Geschlecht fehlt jede Spur.

Generell stehe ich während meiner gesamten Reise fast ausschließlich mit männlichen Katari in Kontakt. Die geben sich durchaus weltoffen, wie beispielsweise unser wunderbarer Guide Hameed. Und dennoch kann ich mich dem bitteren Beigeschmack nicht verwehren, dass Frauen in dieser Kultur eine andere gesellschaftliche Stellung innehaben, als Männer.

Eindrucksvoll war der Besuchs des Sheikh Faisal Bin Passim Al Thani Museums. Hier wird die private Sammlung des Scheichs Faisal ausgestellt – die so gigantisch ist, dass einem schwindelig wird. Über 15.000 Artefakte, Kunstwerke, Gewänder, Geräte, Oldtimer und Antiquitäten umfasst der private Fundus des sammelwütigen Scheichs (im Übrigen der Onkel des derzeitigen Emirs).

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Qatar: Landschaftlich eine Wucht!

Und noch eine andere Erkenntnis habe ich während meiner Qatar-Reise: Denn was überrascht, ist die vielfältige Landschaft dieses Landes. Südlich von Doha befindet sich beispielsweise die Wüste – mitsamt dem Binnenmeer Chaur al-Udaid. Es ist einer der seltenen Orte, an denen das Meer tief in die Wüste vordringt. Diesen Teil des Landes erreicht man nur mit Geländewagen, wenn man querfeldein durch die Dünen cruist. Und genau das machen wir an diesem Montagnachmittag. Wir schlittern mit unserem Jeep über den feinen Sand. Und jauchzen vor mit Angst getränkter Freude! Später am Nachmittag erwischt uns dann ein Sandsturm. Die rote Sonne verschwindet dann hinter einem dunstigen Schleier aus Sand. Der Wind fegt über die Dünen. Wir sind beeindruckend. Ganz im Gegensatz zu einem einsamen Kamel in der Ferne.

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Im Norden von Doha befindet sich wiederum eine grüne Seite des Landes: Die Mangrovenwälder von Al Shakira. Hier paddeln wir erst unter Anstrengung, später ganz entspannt in unseren Kayaks vorbei an sattgrünen Böschungen und beobachten Reiher, die  – aufgescheucht durch uns plaudernde Reisetruppe – aus den Baumkronen emporsteigen. Ein Naturidyll, das man so nicht in einem Wüstenstaat wie Katar erwartet.

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Qatar Reise Katar ReiseUnd was nehme ich nun mit, von dieser Reise nach Qatar? Vielleicht sage ich es in den Worten von Goethe: “Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.” Denn einerseits hat mich das Land fasziniert. Und andererseits zutiefst irritiert. Oder aber, und mit dem Gedanken könnte ich mich noch mehr anfreunden, es wohnen nicht in meiner Brust zwei Seelen – sondern vielmehr in dem Land selbst. Denn Katar ist wahrlich ein Land voller Widersprüche.

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Reise nach Katar: Die wichtigsten Fakten

Seit August 2017 können Reisende aus insgesamt 80 Ländern ohne Visum nach Qatar einreisen. Die nationale Fluggesellschaft Qatar Airways fliegt mehrmals täglich aus Deutschland (Frankfurt, München, Berlin). Weitere Informationen gibt es hier.


Für diese Pressereise wurde ich freundlicherweise von Qatar Tourism eingeladen.