Lieblingsorte | Im Rosi’s Berlin mit Daniel von séjour

Wer in Berlin lebt, lernt es lieben. Ganz gleich ob Urberliner oder Zugezogener weiß man: Berlin bedeutet nicht nur Brandenburger Tor oder Alexanderplatz. Zwischen all dem Lärm und der Schnelllebigkeit, gibt es wunderschöne Parks, faszinierende Gebäude, ranzige Eckkneipen und noch viel mehr zu entdecken. Berlin ist ein riesiger Spielplatz mit vielen Lieblingsorten, die so vielfältig sind wie die Menschen der Stadt. Unsere liebsten Plätze erinnern an einzigartige Momente, wundervolle Tage und berauschende Nächte. Vor einiger Zeit habe ich euch in einer Fotoserie meinen Lieblingsort, das Kriminalgericht Moabit, vorgestellt. Dieses Mal habe ich mich mit meiner Kamera und Daniel von séjour auf Entdeckungsreise begeben. Zu einem seiner liebsten Orte: Dem Rosi’s Berlinwelches wir schon vor Cluböffnung besuchen durften.

Das Rosi’s Berlin – Indie Only für Daniel

Ich kenne Daniel nun seit drei Jahren durch meine Arbeit bei TV Noir und habe ihn auch schon bei seinen séjour-Wohnzimmerkonzerten besucht (weitere Infos zur nächsten Ausgabe am 14.02. findet ihr am Ende des Beitrags), aber feiern waren wir noch nie. Denn während ich lieber auf Hip Hop Konzerten oder in Technoclubs abfeiere, kennt Daniel nur ein Motto: Indie Only!

Daniel, séjour findet meistens in muckeligen Wohnzimmern statt und hat vor allem sanfte Klänge parat. Wie kommt’s, dass das Rosi’s zu einem deiner Lieblingsorte zählt und was verbindest du damit? 

Daniel: Ich höre so gut wie nur die Musik, die man gemeinhin als “Indie” zusammenfasst: Indie-Rock/-Pop/-tronic. Für die Leute, die sich fragen, was das ist: Musik mit dem klassischen Setting Gitarre/n, Schlagzeug, Bass, Gesang und oft auch noch elektronischen Komponenten wie Synthies. Alles schnell gespielt, catchy und tanzbar. Ein Großteil der Bands stammt aus Großbritannien. Skandinavien ist auch ganz vorne mit dabei. Der Begriff “Indie” stammt ursprünglich daher, dass die Bands vor einem Jahrzehnt noch nicht so durch die großen Major-Labels kommerzialisiert waren. Ende der 90er bis Mitte der 2000er Jahre hatte diese Musikszene ihre Hochphase und fand zeitweise auch in den Charts, also im Mainstream, statt. Das als kleiner Exkurs zur Musikrichtung.

Selbst in einer Metropole wie Berlin gibt es, verglichen mit anderen Genres und Szenen, kein allzu großes Angebot an Indie-Partys. In den letzten Jahren haben wir sogar noch einige Anlaufstellen verloren, wie z. B. den Bang Bang Club oder den Festsaal Kreuzberg. Eine bittere Entwicklung!

Im Rosi’s ist jede Donnerstagnacht “Indietanzbar” für unschlagbare 2,— € Eintritt. Das ist selbst für Berlin-Verhältnisse sehr günstig. Im Rosi’s trifft sich der harte Kern der Szene. Ich kenne hier donnerstags über die Hälfte der Anwesenden inklusive DJs, Türsteher, Barkeeper und dem legendären Grillmeister Hermann. Ein Fluch und ein Segen zugleich.

Wann warst du das erste Mal im Rosi’s und wie hast du es entdeckt? 

Daniel: Das erste Mal war ich im Winter 2008 oder 2009 mit einem Kumpel im Rosi’s. Damals konnte ich aber noch nicht viel mit Partys anfangen und habe auch noch gar nicht in Berlin gewohnt. Woran ich mich noch erinnern kann ist, dass Kondenswasser von den Wänden tropfte.

Seit 2012 gehe ich regelmässig, 2015 war ich bestimmt 90% der Donnerstage und ansonsten auch zu diversen unregelmäßig stattfindenden Freitags- und Samstags-Indie-Veranstaltungen und -Konzerten im Rosi’s. Ach ja, ein WM-Spiel haben wir auch mal im Rosi’s-Biergarten geguckt. Das Spiel von Deutschland gegen Portugal 2014!

Was gehört für dich unbedingt zum Rosi’s dazu und was kannst du empfehlen?

Daniel: Auf jeden Fall die “Indietanzbar” am Donnerstag! Am besten an einem Abend wenn DJ ROJOSSON oder das A Design for Life DJ-Team auflegen, das sind so die zwei besten von den wöchentlich wechselnden DJs. Zum Start und für Zwischendurch empfehle ich Berliner Luft-Shots, ansonsten Wodka-Mate aus der Flasche. Wenn’s zwischendrin mal unalkoholisch sein soll, kann ich das Kultgetränk Bluna-Orange empfehlen, das ist quasi die Fanta von Afri-Cola und vielleicht erinnern sich ja noch welche an den alten Werbeslogan “Sind wir nicht alle ein bisschen bluna?”. Bluna gibt’s sonst übrigens fast nirgendwo in Berlin.

Für den kleinen Hunger geht’s zum legendären Grillmeister Hermann auf eine Portion Pommes – und ein verrücktes Gespräch, denn Hermann hat immer was zu erzählen. Eine Runde am Kickertisch geht auch immer. In den Wintermonaten lockt der Raucherraum im 1. Stock, den ich immer nur “Asiaraum” nenne. Hier lässt sich wunderbar entspannen und quatschen. Im Sommer geht’s dafür in den großen Außenbereich mit Tischtennisplatte, Wohnmobil und Strand(!). Ein besonderes Augenmerk sollte auf das liebevolle Branding des Rosi’s geworfen werden: Von Gläsern über Streichholzschachteln und sogar ein eigenes Bier, das Rosi’s Bräu, ist alles mit dem Rosi’s-R versehen. Besonders angetan haben es mir die als Pfandmarken fungierenden Rosi’s-Buttons. Meine Sammlung umfasst mittlerweile über 50 verschiedene – wer will tauschen?

Weitere Infos zum Rosi’s und Valentinstag mit Séjour & Max Prosa

Neugierig aufs Rosi’s geworden? Alle Infos findet ihr auf der Webseite und auf Facebook.

Die nächste Ausgabe von séjour findet übrigens schon diesen Sonntag (14. Februar) in Berlin statt. Zu Gast wird Max Prosa sein. Als spontaner Support spielen unsere geliebten Ladies von Oh Lonesome Me.

Es handelt sich um ein exklusives Wohnzimmerkonzert für geladene Gäste. Wenn Ihr live dabei sein wollt, dann tragt Euch bis 12.02., 12:00 Uhr in den séjour-Newsletter ein.
Alle Abonnenten erhalten am 12.02. nach 12:00 Uhr einen Newsletter mit der Möglichkeit sich und eine Begleitperson in die Gästeliste einzutragen und bekommen im Anschluss die geheime Adresse der Wohnung mitgeteilt. Aufgrund des sehr begrenzten Platzes im Wohnzimmer gilt hier leider das “Wer zuerst kommt”-Prinzip. Wir drücken euch die Daumen!


Alle Fotografien © Isabelle Rogge



Vorschaubild L&HIsabelle Rogge ist 2012 nach Berlin gezogen um als Journalistin zu arbeiten. Aktuell mischt sie in den Redaktionen von TV Noir, dem RBB Inforadio und Louise et Hélène mit. Außerdem studiert sie Germanistik und Philosophie an der FU Berlin. Sie mag: Fotografie, Mode, Hip Hop und ihren Hula Hoop.