Lieblingsmusik | Neil Thomas “Home EP”

Neil Thomas Home EPSchon seit einem ersten Konzert in Berlin und der Single Home im November warten wir gespannt auf die Debüt-EP des Briten Neil Thomas. Am 12. Februar ist es endlich soweit und der Londoner setzt den ersten großen Schritt ins professionelle Musikbusiness. Ich hab mir die Platte schon mal angehört und darf verkünden: Some smashing talent is waiting to enter your ears! Denkt man an das kommerzielle Musikbusiness unserer Zeit, kann einem schon mal schummrig werden. Hochglanz-Sternchen treffen auf Schema-F-Vermarktungsstrategien und die künstlerische Leidenschaft weicht allzu oft einem Wegwerf-Denken, das auch in anderen Bereichen unserer Wohlstandsgesellschaft zu finden ist. Neil Thomas scheint sich diesen gerade gezeichneten Vorurteilen zu entziehen. Er bringt erst einmal eine EP raus, die aus vier sorgfältig produzierten, handverlesenen Songs besteht. Kein Debütalbum vom Fließband. “Ich höre lieber meine eigenen Fehler als die Perfektion anderer Leute.” Sowas kann nur jemand sagen, der selbst den Hang zum Perfektionismus in sich trägt. Und das tut Neil Thomas wohl auch, wie sonst wäre sein filigranes und treffsicheres Songwriting zu erklären, das er auf der EP Home präsentiert?

Neil Thomas Home EP

Neil Thomas “Home EP” – Soul, Folk und Elektro-Beats

Neil Thomas’ Geheimrezept ist der Eklektizismus. Er hat seinen Sound gefunden, indem er so manche Genre-Barriere hinter sich ließ und mit den Stilen spielt. Beat-Boxing trifft Singer-Songwriter-Melodien, Soul und Pop kreieren schwelgerische Harmonien. Über die Single “Home” habe ich mich bereits an anderer Stelle umfangreich ausgelassen. Die eingängige Dance-Nummer (akustisch wärmstens zu empfehlen!) wird von drei völlig unterschiedlichen Songs umrahmt. Da wäre “The Closer I Get”, ein Folk-Titel aller erster Sahne, der an die kanadische Folk-Legende Joni Mitchell erinnert. “Closer To Your Heart” hat die wohl mitreißendste Hook, die ich seit langem gehört habe. Dazu kommt ein stampfender Wild-West-Beat, der sich mit poinitierten Bläsern mischt und lateinamerikanisches Flair entstehen lässt. “The Waterline” bezeichnet Neil schließlich als “mood poem”: “Es geht um eine problematische Beziehung. Die Metapher ist ein Mensch, der in den Brunnen gefallen ist. Er hat zwei Möglichkeiten: Er kann strampeln und versuchen herauszukommen, wird aber ertrinken wenn seine Kräfte nachlassen. Oder er kann warten bis es regnet, damit der Wasserspiegel steigt und er einfach herausklettern kann. So kann man in einer Beziehung kämpfen, bis alles kaputt ist, oder man kann den anderen akzeptieren und glücklich werden …“ Mich hat der werte Herr überzeugt, wie steht’s mit euch?


Fotos: © WMG / Ray Burmiston

Neil Thomas: “Home EP”, erhältlich ab 12. Februar 2016 bei iTunes, Spotify etc.