Impressionen & Interview | Armin Morbach – Position before Pose

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Momentan könnt ihr euch die Ausstellung Position before Pose von Armin Morbach im Departmentstore des Quartiers 206 in Berlin ansehen. Angekündigt hatten wir euch die Ausstellung natürlich schon längst. Isi hat mit dem lieben Armin gequatscht und sich die Ausstellung vorab angesehen. Erfahrt ihre ersten Eindrücke und was Armin Morbach zur Beautywelt und seiner Arbeit als Fotograf zu sagen hat…

Position before Pose – Stilbruch im Departmentstore Quartier 206

Die Galerie 206 befindet sich in der ersten Etage des Departmentstores. Store? – Ja richtig, die großformatigen Fotografien hängen quasi in einer kleinen Galerie inmitten von Designer-Kleidung, Büchern und einer Bar. Das Armin Morbach – Stylist, Editor und Fotograf – in so einer hippen Location ausstellt, ist irgendwie stimmig, denke ich. Dass die Bilder aber nicht nur harmonisieren, sondern an einigen Stellen genauso mit der chicen Umgebung brechen und polarisieren, gefällt mir am meisten.

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Ich lasse mich von Kurator Harald Theiss herumführen und bin fasziniert von der Stofflichkeit, die die Bilder transportieren. Die Bilder sind detailverliebt, farbgewaltig und plakativ. Die Umgebung ungewöhnlich aber entspannt. Meine Lieblinge? – Die polarisierenden Fotografien abseits der eigentlichen Galerie. Mitten in der Bekleidungsabteilung, gegenüber von Prada-Kleidern, hängt beispielsweise ein komplett aus Müll arrangiertes Motiv. Das Modell verschwindet hinter der Plastik- und Stoff-Verschwendung seiner eigenen Branche – lediglich die Tasche scheint exklusiv.

01 Auswahl

IMG_9016 KopieEin weiterer Stilbruch mit Glamourfaktor findet sich in der Beauty-Abteilung zwischen all den hochpreisigen Beautyprodukten des Departmentstores. Futuristische Werbefotografie oder verkleisterte Beauty oder beides? Die Frage kann jeder Besucher für sich selbst beantworten.
Mir gefallen die Kunstwerke auf jeden Fall!
Und was sagt Armin zu seiner Ausstellung?

Armin Morbach im Interview:

Was steckt hinter dem Titel Position before Pose?

Dadurch, dass ich bei meinen Kunstwerken meistens kein Gesicht zeige, ist die Position wichtiger als die Pose. Eine Pose entsteht, wenn du mit der Kamera irgendwie agieren kannst. Das kannst du bei mir nicht. In über 20 Jahren neben der Kamera ging es eigentlich immer nur ums Mädchen und wie sie guckt. Guckt die verführerisch, guckt die hübsch, guckt die links, guckt die rechts… Da war für mich einfach wichtig, dass ich sage: Ich möchte etwas machen, was sich nicht darüber definiert ob ich jetzt Toni Garrn, Claudia Schiffer oder Eva Padberg fotografiere. Ich möchte, dass meine Bilder so wirken, dass es nicht darauf ankommt wer es trägt, sondern einfach was das Bild ist.”

2_Blue Frame_Hamburg 2014_copyright and courtesy Armin Morbach (1)

“Die Vorbereitung ist das was mich ausmacht.”

Mich spricht die Farbgewalt und Stofflichkeit deiner Fotos an – vor allem bei ‘Blue Frame’. Welche Elemente spielen für dich eine Rolle bei der Inszenierung?

“Ich sage immer ich bin ein extrem guter Kreativ-Direktor. Bei mir entsteht ein Bild ganz lange im Kopf und das Spannende daran ist, es dauert auch oft 4 bis 5 Wochen mit der Vorbereitung – bis die Kostüme gebaut sind, Designer gescreent… – und wenn ich dann das Bild mache und fotografiere dauert das Ganze vielleicht 5 Minuten und dann ist es für mich auch fertig. Die Vorbereitung ist das was mich ausmacht. Bei ‘Blue Frame’ war mir zum Beispiel wichtig, dass die Wollfransen vom Kleid übergehen in den Hut. Ich habe dann ausgesucht: Was für einen Pullover kann die anhaben?  Was ist die Konterfarbe zu Blau – mit dem roten Lippenstift. Wie setze ich ihr den Hut auf?… Und dann wird es inszeniert. Lustigerweise, wenn irgendwann, vielleicht wenn ich tot bin, meine Scribblebücher veröffentlicht werden oder meine Ideen am Computer, wird es genau so aussehen.”

Inspirieren dich andere Künstler?

“Gar nicht. Ich bin zwar kein Autist bin, habe aber eine leichte Lese-/ Schreibschwäche. Deshalb habe ich mir früher Sachen (z.B. Farben und Formen) ganz anders eingeprägt. Ich war in meinem Leben vielleicht in zwei Ausstellungen und habe vielleicht ein viertel Buch gelesen. Ich bin überhaupt nicht der Typ der in Museen geht, der sich inspirieren lässt. Als ich angefangen habe zu fotografieren und die ersten durchgeknallten Sachen gemacht habe, haben das Leute belächelt: ‘Das ist zwar konkret und sehr scharf aber auch laut und nicht Zeitgeist.’ Aber das ist eben meine Bildsprache. Ich finde die Bildsprache eines Make-Up Artists, kann ruhig eine andere sein, als die von jemandem der an der Gursky-Schule Design studiert hat.”

Angenommen du dürftest eine Werbekampagne oder ein Produkt deiner Wahl komplett frei inszenieren. Wofür würdest du dich entscheiden?

Wanderland-Hermes-The-Passage-Entdecke“Ich mag die Bildsprache von Hermès wahnsinnig gerne. Die trauen sich an junge Künstler ran und ich finde die Kampagnen einfach schön. Deshalb würde ich gerne eine Hermès-Werbekampagne machen. Und wenn ich ein Produkt inszenieren dürfte, dann würde ich gerne für große Marken wie Yves Saint Laurent oder Chanel fotografieren und die Beautywahrnehmung der schönen Frau einfach mal wachrütteln.”

Und dann ohne Gesichter zu zeigen?

“Ohne Gesicht.”

Wenn du hier in Berlin bist. Gibt es dann einen Lieblingsort den du immer wieder besuchst?

“[Lacht] Den gibt es. Den SOTO-Laden in der Torstraße. Da kaufe ich immer meine Basic-Sachen und Baseball- Kappen von New Era die ich immer trage. Ich gehe jetzt aber nicht ans Spreeufer oder so. Ich genieße Berlin, weil ich es wahnsinnig spannend finde, aber ich freu mich auch immer wieder nach hause zu kommen.”

Danke Armin!


Armin Morbach: Position before Pose – alle Informationen

// Ausstellung vom 11. September bis zum 7. November 2015
//                                  verlängert bis zum 21. November 2015
// Galerie 206 im Departmentstore Quartier 206, 1. OG. Adresse: Friedrichstr, 71, Berlin.
// Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 11 Uhr bis 20 Uhr // Sa. 10 Uhr bis 18 Uhr.

Blue Frame © Armin Morbach
L’Eléphant de Chine © PR/Hermès
Alle weiteren Fotografien © Isabelle Rogge

Die Rechte der abgebildeten Kunstwerke auf den Fotografien unterliegen dem Künstler Armin Morbach.




Vorschaubild L&HIsabelle Rogge ist 2012 nach Berlin gezogen um als Journalistin zu arbeiten. Aktuell mischt sie in den Redaktionen von TV Noir, dem RBB Inforadio und Louise et Hélène mit. Außerdem studiert sie Germanistik und Philosophie an der FU Berlin. Sie mag  Fotografie, Mode, Hip Hop und ihren Hula Hoop.