Sex-Kolumne | Kann ich reinkommen?

Sex-Kolumne

Meine Freundin liegt nackt auf dem Bett. Über sie stützend ihr wollüstiges Date — seinen Schwanz in der Hand und bereit ihn zu versenken. Sie schließt genussvoll die Augen und wartet auf den eindringenden Stoß.

Nichts passiert. Sie öffnet irritiert ihre Augen und im gleichen Atemzug fragt er: „Kann ich reinkommen?“

Dirty Talk klingt anders. Aber mal ernsthaft, gibt es so etwas wie gute Sex-Manieren? Müssen wir uns heutzutage für einen Blowjob bedanken und höflich bitten, damit er reingesteckt wird? Ich dachte Höflichkeit hat im Bett genau so viel verloren wie im Fußballstadion. Habe ich da einen neuen Sex-Trend verpasst oder wurde er just in diesem Moment geboren?

Die Höflichkeit-Crux beim Vögeln

Klar, man klopft auch erst an, bevor man durch eine Tür geht — zumindest haben wir es so von unseren Eltern eingebläut bekommen. Warum sollte das beim Sex anders sein? Eine Tür öffnet sich schließlich leichter, wenn man nicht mit ihr ins Haus fällt. Nun ist die Entscheidung PRO Sex aber mehr so eine Art stilles Einverständnis. Ein erotisches Wechselspiel, wo man sich auf die subjektive Ebene der Metasprache zurückzieht und der Partner durch kongruent-geiles Verhalten dem anderen signalisiert, dass die Tür offen ist.

Ich stolpere über Artikel mit Tipps zum höflichen Stöhnen, Wortgeplänkel für ein manierliches Gespräch nach dem Höhepunkt und einer Ficken-aus-Höflichkeit-Studie aus den USA. Demnach würden Frauen öfter mit ihrem Partner vögeln, weil sie glauben es sei unhöflich, wenn sie es nicht täten. WTF?!

Durch Fragen schneller, geiler und dreckiger zum Höhepunkt

Theodore Roosevelt hat das mal geschickt formuliert: „Sprich leise und höflich, aber trage stets einen dicken Knüppel bei dir.“ — und der Typ hat immerhin einen Friedensnobelpreis erhalten.

Aber vielleicht ist Höflichkeit im Bett der neue, abgefuckte Dirty Talk, der verbal-Erotiker durch Fragen wie „Kann ich reinkommen?“ oder „Kann ich mich da drauf setzen?“ erst richtig feucht werden lässt. Und sollte das nicht funktionieren, kann man sein gegenüber ja höflich bitten, einfach wieder raus zu gehen.


Carina Kaiser ist gebürtige Kölnerin und leidenschaftliche Frühaufsteherin. Ihre Liebe für die Domstadt teilt sie seit 2014 auch mit Berlin, wo sie als freie Autorin unterwegs ist. Am liebsten beschreibt sie ihre aktuelle Gefühlslage mit Gifs von Emma Stone.

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