Sex, Drugs & Tofuwurst | Rettet die Taschenmonster!

Sex, Drugs & Tofuwurst

Unsere Kolumnistin Christina würde gern einmal an einem Pokémon naschen – aber nur, wenn es auch wirklich veggie ist…

Eigentlich kann dieses Thema in den letzten Wochen kaum an euch vorbeigegangen sein: Pokémon GO. Das Handyspiel, das Menschenmassen mobilisiert aus ihren dunklen Computerhöhlen hervorzukriechen und ein verrücktes Abenteuer zu wagen – den Spaziergang. Auf der Suche nach – in einigen Fällen mehr, in anderen Fällen weniger – knuddeligen und wilden Taschenmonstern sehen sich die „Trainer“ nun erstmals wieder längst vergessenen Herausforderungen gegenüber: Sonnenlicht, Wind, Regen und Temperaturschwankungen. In deutschen Sommern kann das, wie man weiß, ja durchaus bizarre Ausmaße annehmen.

Kleine Lebewesen

Befürworter loben diese großflächige Realitäts-Rückführung, um genau zu sein die Hinführung in die erweiterte Realität, die „augmented reality“. Kritiker hingegen sehen in der zunehmenden Begeisterung für smartphonegetriebene Freizeitgestaltung nichts weniger als eine Gefahr für Volks- und Staatsgesundheit.

Ich hingegen frage mich hier: „Denkt eigentlich auch mal einer an die Kinder … ähh, Tiere?“ Denn im Grunde sind Pokémon doch genau das: Kleine Lebewesen, die wir halten wie Haustiere. Mehr noch: Nach denen wir auf die Jagd gehen! Die wir mit Pokébällen bewerfen, ja, sie darin einsperren, hineinpressen, um sie dann wie beim Hunde- oder Hahnenkampf gegeneinander antreten zu lassen! Ist das artgerecht? Ist das eigentlich vegan? Ich sollte Peta informieren!

Mineralien und Elektrizität

Das brachte mich zu der Frage, was Pokémon eigentlich selbst verzehren: Mineralien und Elektrizität zum Beispiel, beides hochvegetarisch! Und Pokémon – werden die wiederum verzehrt? Laut PokéWiki (ja, richtig, es gibt ein Wikipedia nur für Pokémon!) sei bekannt, dass Porenta wegen ihres guten Geschmacks gejagt werden, vor allem, wenn man sie mit ihrem Lauch koche, weshalb sie in der Vergangenheit beinahe ausgestorben wären. Das Porenta ist übrigens eine Art Stockenten-Pokémon, bewaffnet mit der bereits erwähnten Stange Lauch … Wir lassen das jetzt einfach mal so stehen.

Zyklus des Lebens

Andere Pokémon werden aus dem Meer gefangen, gegessen und die Knochen zurückgeworfen. Der Sage nach entstehen aus den Knochen neue, vollkommen gesunde Pokémon. Dieser Nahrungskettenzyklus ist ja eigentlich fast wieder vegan, oder vielleicht wenigstens vegetarisch. In Geschichten ist eben das Unmögliche möglich, sogar wenn sie in der erweiterten Realität stattfinden.

Sollte ich heute in der Kantine ein Taschenmonster treffen, ich werde fragen, ob ich es probieren darf. Aber nur, wenn es sich im Anschluss selbst reproduzieren kann. Das finde ich nur fair.


Christina HollsteinChristina Hollstein ist leitende Redakteurin beim Reise-und Gourmetmagazin SAVOIR-VIVRE und schreibt über die Leiden des jungen Vegetariers – zwischen den Töpfen der gehobenen Küche. Denn ein wenig befremdlich fühlt es sich für sie immer noch an: Vegetarier-Sein ist Trend geworden. Nie gab es so viele Veggies  – und so viele Veggie-Gegner. Und Christina dazwischen. Was man von dieser Perspektive aus erlebt, ist oft mehr als einfach nur bizarr. Aber auch lustig. „Du bist was du isst“ ist zum Gesellschaftsthema geworden. Und darüber schreibt sie. Denn die schönsten Dinge des Lebens sind sowieso vegetarisch: Sex, Dessert und Winzersekt.

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