SEX, DRUGS & TOFUWURST | Einmal ohne!

Sex, Drugs and Tofuwurst

Ist Alkohol eigentlich vegan? Mit dieser Frage hatte sich unsere Autorin Christina Hollstein eigentlich noch gar nicht beschäftigt … Bier, Wein, Schnaps – trotz grundsätzlich pflanzlicher Zutaten ist das nicht unbedingt gesagt.

Ausgerechnet das 500 Jahre alte deutsche Reinheitsgebot macht Deutschland nun zum Vegan-Bier-Land Nr. 1. Hopfen, Malz, Hefe und Wasser – mehr darf nicht in das deutsche Bier. Ein total veganes Produkt: Beck’s, Schöfferhofer, Krombacher – sie alle dürfen sich den Stempel „total tierfrei“ verpassen. Zumindest so lange das Etikett auf der Flasche nicht mit Tierknochenleim geklebt wurde. Das wär ja auch eklig.

Guinness auf veganen Wegen

Anders sieht die Sache da zum Beispiel in England aus. Der Traditionsbrauerei Guinnes  drohe der Verlust des Anschlusses an die junge Zielgruppe, berichtete die Zeitung Die Welt. Denn junge Leute, so die Annahme, achteten immer mehr auf ethisch korrekte Brauweisen. Und warum nun darf sich ausgerechnet das Guinness als nicht rein pflanzlich bezeichnen? Beim Klären des irischen Dunkelbiers wird Hausenblase verwendet, eine Gelatine aus getrockneten Fischblasen. Hausen ist die Bezeichnung für eine Störart. Heute stammen die Blasen auch von anderen Fischen, nur der Name blieb. Zum Erkennen von veganen Getränken kommt erschwerend hinzu: In der EU unterliegt die Hausenblase keiner Deklarationspflicht. Bleibt dem, der es wirklich wissen will, wohl nur, beim Hersteller anzufragen …

Bedenken und Hanfhosenträger

Von veganem Wein jedoch hat der Genussinteressierte inzwischen schon häufiger etwas gehört. Einige Winzer versuchen, das „grüne Label“ bereits hier und da zu Marketingzwecken einzusetzen, so zum Beispiel das Weingut Dr. Hinkel in Rheinhessen. Viel erstaunlicher jedoch ist, dass viele Top-Winzer versuchen, ihre tierfreien Weine nahezu zu verstecken. Warum das? Ein Phänomen ähnlich der Situation mit dem schnöden Bio-Wein: Manche Erzeuger haben tatsächlich Bedenken, dass Kunden glauben, ein ethisches korrektes sei auch ein weniger gutes Produkt im Glas. Frei nach dem Motto: Vegan oder bio? Das ist doch was für Hanfhosenträger – nicht für Genießer!

Schildläuse und Gruselmärchen

Ja, und der gute alte Schnaps? Eierlikör ist, wie der Name schon sagt, nicht vegan. Dies gilt auch für Amarula und Baileys, die beide Sahne enthalten, und für Met, den Honigwein, der häufig auf Mittelaltermärkten zu finden ist. Vielen Spirituosen wie Amaretto wurden Farb- und Aromastoffe zugesetzt, die nicht immer pflanzlichen Ursprungs sind. Der Farbstoff „Echtes Karmin“ beispielsweise wird aus Schildläusen gewonnen. Als Kind hielt ich es immer für ein Gruselmärchen, dass dieser auch in den geliebten roten Gummibärchen stecke. Heute soll das Karmin Getränken wie Campari zugesetzt sein. „Einem Obstbrand oder -geist dürfen nach dem Brennen keine Aromastoffe und auch keine Farbstoffe zugesetzt werden. Auch der Zusatz zu der Maische (Säure, Enzyme, Hefen) ist nicht tierischen Ursprungs“, sagt Klaus Lindenmann vom Verband der Badischen Klein- und Obstbrenner e. V. Somit wären zumindest Qualitätsbrände vegan.

Edison und Erhardt

„Ich bin sowohl Vegetarier als auch überzeugter Antialkoholiker, weil ich so besseren Gebrauch von meinem Gehirn machen kann“, soll Thomas A. Edison, der Erfinder der Glühbirne, einmal gesagt haben. Kein Wunder, dass man uns Veggies in Anbetracht solcher Aussagen grobe Leidenschaftslosigkeit unterstellt. Da halte ich es doch lieber mit den Worten von Heinz Erhardt: „Da kann einer sagen, was er will, das beste Essen ist immer noch das Trinken“.

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