Netzliebling | Au bout de la rue: Wenn Frauen nachts nach Hause gehen

Au bout de la rue Kurzfilm Netzliebling

Natürlich können wir uns durchsetzen! Natürlich sind wir stark und anmutig, wir sind großartige Wesen, vielleicht die besten (neben den Dackeln und Faultieren). Wir brauchen vor nichts Angst zu haben, erst Recht nicht vor Männern. Und doch: Wenn Frauen nachts alleine nach Hause gehen, angesprochen, vielleicht angepöbelt oder für ein paar Meter verfolgt werden, dann macht es sich breit: Das mulmige Gefühl., die kleine, knisternde Angst im Nacken. Viele Frauen sind des nachts mit solchen Situation konfrontiert. Mit seinem Kurzfilm „Au bout de la rue“ (Am Ende der Straße“) zeigt der französische Filmemacher Maxime Gaudet auf drei Minuten, wie sich das anfühlt. Und frau fühlt mit …

Es war eine herrliche Nacht mit Freunden und Freundinnen. Nur noch diese Straße. Die paar Schritte. Die Stöpsel im Ohr, die Musik laut, der Blick gesenkt. Sie weiß, fremde Augen folgen ihr. Sie hört das Rufen, das stetig ansteigende. Umso mehr versucht sie, teilnahmslos zu wirken, sich bloß nichts anmerken lassen. Weiter gehen. Ja, der Atem wird schneller, ja das Herz schlägt härter gegen den Brustkorb. Aber sie geht beständig weiter. Bis er aufgibt. Noch einmal weicht sie einem Betrunkenen aus, wechselt die Straßenseite und endlich erreicht sie die Tür. Luft holen. Wieder geschafft. Wieder nichts passiert. Danke, lieber Gott – oder wer auch immer.

Was scheiße ist, liebe Männer

In solche Situationen geht es nicht um Aussehen, um Typ oder Attraktivität: Männern geht es vor allem um Macht, Ego, Dominanzverhalten, den Macker vor den Kumpels raushängen lassen, wenn sie einer Frau „Ey Süße“ hinterherrufen. Schlimmer noch, hinterher laufen. Schlimmenstenfalls sie anfassen, an den Arm greifen, kurzum: körperlich belästigen. Und sei es nur für einen Augenblick! Nein, Männer, ihr wolltet nicht „nur freundlich sein“. Nein, das ist „kein kleiner Scherz“. Und nein, das ist auch kein „harmloses Geflirte“. Das ist scheiße und es hinterlässt ein Scheiß-Gefühl!

Au bout de la rue: Es passiert nicht viel. Aber genug.

Diese Thematik, der viele Frauen nicht selten ausgesetzt sind, bearbeitet Maxime Gaudet in seinem drei-minütigen Kurzfilm „Au bout de la rue“. Es passiert nicht viel. Aber genug. Das war das Anliegen des französischen Filmemachers, der es miterlebte, wie seine Freundin und ihre Mutter in seinem Beisein von einem Bauarbeiter beschimpft wurde – um sich im Anschluss ganz normal seiner Arbeit zu widmen. Es sei schwierig, zitiert ihn DIE ZEIT, das Gefühl der Belästigung in Worte zu fassen. Denn es wird gerne gesagt: „Na, Dir ist ja nichts geschehen.“ Doch Gaudet will mit seinem Kurzfilm vor allem die Männer sich der Konsequenzen ihrer Belästigung bewusst werden. Das ist wichtig und gut. Und das macht den Film „Au bout de la rue“ zu meinem aktuellen Netzliebling.

Foto: © Screenshot / Youtube


Friederike HintzeFriederike Hintze, oder lieber Frieda, gründete gemeinsam mit Marie von der Heydt den Blog Louise et Hélène. Seit vielen Jahren arbeitet sie als freie Journalistin und Bloggerin im Lifestyle-Bereich. Frieda liebt guten Wein und gute Bücher,  ist am Liebsten unter Freunden oder an der Küste – oder beides – und geht gerne Laufen. Wenn sie für sich ist, guckt sie mehr oder minder heimlich Unter Uns. Und zwar seit der ersten Folge.

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