Lieblingsbücher | Unsere Buchtipps für den Herbst 2015

Buchtipps zum Herbst

Herbst? Mag ich! Heißt: Entschleunigung, Kuschelpullover und mehr Zeit zum Lesen. Denn während wir im Sommer noch hektisch unsere Weinschorle nach dem Feierabend mit Freunden runterkippen und hechelnd von einem Open-Air zum nächsten sonnentänzeln, damit wir ja nichts verpassen, können wir uns im Herbst ein wenig zurücklehnen. Festivalzeit ist vorbei und das ist auch okay so. Wir können uns wieder der Literatur – der unterhaltsamen wie auch der anspruchsvollen – widmen, ganz ohne schlechtes Party-Gewissen, dafür aber mit einer Tasse Cappuccino und einem Teller Kekse. Pünktlich zum Herbst stellen wir ein paar neue Lieblingsbücher querbeet vor. Von leichter Literatur bis zum schweren Schmöker, von der Belletristik bis zum Kochbuch: das hier sind unsere Buchtipps für den Herbst 2015 …

Buchtipp #1: Benjamin Lebert: Mitternachtsweg

Buchtipps für den HerbstEin Friedhof für die vor Sylt gestrandeten Seeleute. Ein geheimnisvolles Schicksal, das weit in die Vergangenheit reicht. Der großartige Benjamin Lebert („Crazy“) nimmt uns in „Mitternachtsweg“ hoch in den Norden Deutschlands: Der Lübeker-Lokalredakteur Peter Maydell erhält ein Manuskript von dem jungen Historiker Johannes Kielland, der ihm regelmäßig Berichte über Spukgeschichten und unheimliche Vorkommnisse schickt. Doch dieses Manuskript ist anders, denn es enthält den Bericht über Kiellands eigene Geschichte und der Begegnung mit einer Frau, die ihm immer wieder neue Rätsel aufgibt …

Nicht nur sprachlich ist „Mitternachtsweg“ ein wunderbarer Roman. „Wann immer wir von einer großen Liebe erzählen, erzählen wir letztlich eine Spukgeschichte.“ Ich kann und will nicht zu viel verraten, das hier ist keine Rezension, sondern nur ein wohl gemeinter Buchtipp und der lautet: Lest dieses Buch!

Benjamin Lebert. „Mitternachtsweg“. Gebunden. 240 Seiten. Erschienen bei Hoffmann und Campe

Buchtipp #2: Wilhelm und Johannes Schischa: „Was mit uns sein wird, wissen wir nicht“

Was mit uns sein wird wissen wir nichtEs sind Briefe und Karten aus dem Ghetto, die das von Wien nach Polen deportierte jüdische Ehepaar Wilhelm und Johanna Schischa zu ihren noch lebenden Angehörigen nach Österreich senden. Und es sind berührende Zeugnisse einer Zeit, in der für uns Unvorstellbares geschah.

Die Briefe zeigen: Ängste, Elend und Ungewissheit plagten das Ehepaar ebenso, wie alltägliche Lappalien. Und ja, manchmal quält man sich durchaus durch die Seiten. Denn Briefe haben keine Dramaturgie und nicht wir Leser sind die Adressaten dieser Dokumente. Das darf man nicht vergessen und so braucht man manches Mal Geduld für dieses Buch. Dafür gewährt „Was mit uns sein wird, wissen wir nicht“ authentische und teilweise unsägliche Einblicke im jüdischen Ghetto. Und so ist dieses Werk kein Buch für zwischendurch, keines, dass man mal eben zur Hand nimmt und dann wieder weglegt, wenn das Smartphone piept. Es ist verstörend und schonungslos und anstrengend und deswegen sehr wichtig.

Wilhelm und Johanna Schischa. „Was mit uns sein wird, wissen wir nicht: Briefe aus dem Ghetto“. Gebunden. 224 Seiten. Erschienen bei Styria Premium. 

Buchtipp #3: Andreas Austilat: Vom Winde gesät

Vom Winde gesät Buchtipps für den HerbstAchtung! Verwechslungsgefahr! Nein, das neue Buch von Autor und Tagesspiegel-Redakteur Andreas Austilat spielt nicht im 19. Jahrhundert und Scarlett O’Hara versucht sich auch nicht neuerdings im Reifrock durch Reihenhausgärten zu kämpfen. Lediglich der Titel von Austilats herrlich lustigem Gärtnerbuch hat Ähnlichkeit mit dem legendären Roman von Margaret Mitchell.

In „Vom Winde gesät“ erzählt Andreas Austilat in locker-leichtem, sehr unterhaltsamen Ton von den Zäunen der Nachbarn und von Ligusterheckenvorfällen, von Palmen im Reihenhausgarten und von gescheiterten Projekten. Auf dankenswert selbstironische Weise profiliert sich Austilat keineswegs als Fachmann. Im Gegenteil: zwar kann man etwas lernen, ein Ratgeber ist „Vom Winde gesät“ aber nicht. Das Thema Garten mag für den hippen, großstädtischen Mitt-Zwanziger weniger sexy klingen, tatsächlich muss ich jedoch zugeben: ich habe mich noch nie so sehr für Beete interessiert, wie bei diesem Buch. Abgesehen davon fühle ich mich jetzt gewappnet vor dem, was mir – Vorsicht! Wortspiel! – in einigen Jahren noch so blüht. (Eine Ligusterhecke wird es nicht sein)

Andreas Austilat. „Vom Winde gesät: Meine Frau, unser Garten und ich.“ Taschenbuch. 224 Seiten. Erschienen bei Goldmann.

Buchtipp #4: Marianna Butenschön: Maria, Kaiserin von Russland

Buchtipps für den HerbstBiografien zu lesen, insbesondere die solcher Persönlichkeiten, deren Lebzeiten schon lange zurück liegt, sind nicht immer ein literarischer Spaziergang, manchesmal sogar eine staubtrockene Qual. Nicht aber die Biografie über die deutschstämmige Romanow-Zarin Maria, eigentlich Sophie Dorothea von Württemberg (1759-1828) von Marianna Butenschön.

Sie ist eine historische Figur, die nicht jedem ein Begriff ist. Und doch war Maria eine unendlich einflussreiche Frau – und musste ebenso unendlich viele Schicksalsschläge hinnehmen. Im Alter von 17 Jahren heiratete sie den einzigen Sohn Katharina der Großen, Paul I. Ihr Mann wurde 1801 ermordet, fünf ihrer zehn Kinder starben vor ihr. Dramatische Wendungen nahm das Leben von Maria und die Schilderungen der Autorin ziehen in den Bann. Marianna Butenschön ist kenntnisreich, serzählt detailliert, verliert sich aber nicht in Kleinigkeiten. Selbstverständlich ist die Biografie der Kaiserin von Russland, wie es sich für eine Biografie nun einmal gehört, ein Wälzer von beachtlicher Größe. Das sollte aber nicht abschrecken. Trotz wuchtigem Format ist „Maria, Kaiserin von Russland“ eine recht leicht lesbare, sehr spannende Geschichte.

Marianna Butenschön: „Maria, Kaiserin von Russland. Die Württembergerin auf dem Zarenthron“. Gebunden. 432 Seiten mit 15 s/w-Abbildungen und Personenregister. Erschienen bei Konrad Theiss.

Buchtipp # 5: Gemüse. Das Kochbuch

Buchtipps zum HerbstVegetarismus und Veganismus sind im Trend – immer noch und wohl auch noch eine ganze Weile. Und wer sich im Herbst weniger der Literatur, als dem gesunden Essen widmen mag und Lust auf neue kulinarische Kreationen hat, dem empfehle ich wärmstens das „Standartwerk der Gemüseküche“ schlechthin, mit dem schlichten Namen: „Gemüse. Das Kochbuch“.

Ich bin wahrlich keine militante Vegetariarin, geschweige denn Veganerin, aber die rund 250 Rezepte, zusammengestellt von den Spitzenköchen Andrea Grossmann, Michael Kolkm und Johann Pabst, sind so vielfältig und verlockend, dass einem Fleisch und selbst tierische Produkte kaum noch fehlen dürfte. Also: Schwingt die Kochlöffel, ihr Lieben. Für gesunde Ernährung ist es nie zu spät. Und wir können ja schon einmal an die Bikinifigur für den Sommer 2016 denken. Denn der kommt bestimmt!

Andrea Grossmann, Michael Kolm, Johann Pabst: „Gemüse. Das Kochbuch“. Gebunden. 320 Seiten mit 250 Rezepten aus der Gemüseküche. Erschienen bei Pichler Verlag.

Buchtipp #6: Cervelat – Die Schweizer Nationalwurst

Buchtipps für den HerbstDas komplette Kontrastprogramm zu dem Gemüse-Kochbuch ist dieses, etwas „andere“ Buch: „Cervelat – Die Schweizer Nationalwurst“. Jawohl, ihr habt richtig gehört. Ein 180-seitiger Band, bei dem es ausschließlich um die Wurst geht. Das mag der eine oder andere befremdlich finden, aber der Schweizer AS Verlag hat mit „Cervelat“ einen sehr hochwertig gefertigten, qualitativ wunderschönen Band herausgegeben, dass nicht nur Wurst- sondern auch Buchliebhabern gefallen dürfte.

Rund 200 Abbildungen zeigen des Schweizers liebste Wurst von all ihren Seiten. Ein paar Rezepte von Gault-Millau-Koch Beat Caduff gibt’s oben drauf. Denn Wurst, das lernt man, ist nicht gleich Wurst. Nun mag dieses Buch gefallen oder nicht. Unterhaltsam ist „Cervelat – Die Schweizer Nationalwurst“ in jedem Fall und ein lustiges Geschenk für Schweizer und all solche, die auf Wurst abfahren.

Heinz von Arx: „Cervelat – Die Schweizer Nationalwurst“. Hardcover. 176 Seiten, 200 Abbildungen. Erschienen bei AS Verlag.

Buchtipp #7: Leslie Jonath: „Everyone Loves New York“

everyone loves new York Cover Zugegeben, eigentlich handelt es sich bei diesem wunderbaren Titel um ein Bilderbuch, um ein klitzekleines, herrlich schönes Coffee-Table-Book, das fast gänzlich ohne Wörter tausend Geschichten erzählt: „Everyone Loves New York“, herausgegeben von Leslie Jonath, ist eine künstlerische Liebeserklärung an eine der coolsten Städte der Welt: New York. What else?

Künstler aus aller Welt zeigen in dem schönen Buch ihr ganz persönliches Bild von der Metropole in stilistisch bunt gemischten Illustrationen. Man blättert sich dank insgesamt 85 Farb- und Schwarz-Weiß-Illustrationen durch die kunterbunte, faszinierende und quirlige Stadt. Das macht Spaß und man nimmt das „Everyone Loves New York“ nur all zu gern öfters in die Hand, zeigt es Freunden, die sich ebenso dafür begeistern können. Schön, dass Bücher das noch heute können. Und so könnte der Titel trefflicher nicht gewählt sein. Everyone Loves New York. Me too!

„Everyone Loves New York“. Herausgegeben von Leslie Jonath. 128 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ca. 85 Farb- und Schwarz-Weiß-Illustrationen. Erschienen bei teNeues.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die schönen Bilder aus „Everyone Loves New York“ bekommt ihr bei uns. 


 

Friederike HintzeFriederike Hintze, oder lieber Frieda, gründete gemeinsam mit Marie von der Heydt den Blog Louise et Hélène. Seit vielen Jahren arbeitet sie als freie Journalistin und Bloggerin im Lifestyle-Bereich. Frieda liebt guten Wein und gute Bücher,  ist am Liebsten unter Freunden oder an der Küste – oder beides – und geht gerne Laufen. Wenn sie für sich ist, guckt sie mehr oder minder heimlich Unter Uns. Und zwar seit der ersten Folge.

 

 

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