Interview: Auf einen Kaffee mit Lasse Matthiessen Teil I

Lasse Matthiessen Interview

Das neue Album Wildfires von Lasse Matthiessen. Foto: Luisa Bilke

Bisher kannte unsere Autorin Isa Lasse Matthiessen nur flüchtig über ihre Arbeit bei TV Noir. Sie haben schon mal Sätze wie „Hallo.“ oder „Wie geht’s dir?“ zueinander gesagt. Mit seinen Projekten hatte sie aber nichts am Hut. Dann lag dieses schöne Album auf ihrem Schreibtisch und sie dachte sich: „Das muss ja ein toller Typ sein!“ und hat ihn für uns interviewt. Im ersten Teil des Interviews geht  es, neben dem neuen Album Wildfires, vor allem darum wie dieser talentierte Däne eigentlich zur Musik und nach Berlin gekommen ist.

von Isabelle Rogge

Es gibt da drei Dinge die ich ziemlich gerne mag: Kaffee, quatschen und Musik. Um das zu verbinden treffe ich mich heute mit Lasse Matthiessen. Der dänische Musiker hat im September eine neue Platte rausgebracht und erst kürzlich als Support von Clueso gespielt. Ich bin neugierig und zum Glück hat er ebenfalls Lust mit mir darüber zu reden.

Wir treffen uns am Boxhagener Platz in Friedrichshain. Ich kann ihn schon aus der Ferne erkennen. Er begrüßt mich mit einem charmanten Lächeln. Wir setzen uns in ein gemütliches Café. Lasse bestellt den Kaffee passend zu seiner Kleidung: schwarz. 

Isa: Du bist vorhin erst mit dem Zug in Berlin angekommen. Hast viele Tourtage und einen Support von Clueso hinter dir. [Anmerkung der Redaktion: Das Interview hat am 28.11.2014 stattgefunden.]

Lasse: Ja, ich war vor drei Wochen auf Tour und letzte Woche habe ich einen Support-Gig für Clueso in Hannover gespielt. Und gestern habe ich dann mein letztes Konzert für dieses Jahr gespielt. In Bayern. Und dann kommt im Januar, Februar schon wieder die nächste Tour.

Isa: Das war ja ein richtig großes Event mit Clueso. Mit Live-Stream und allem …

Lasse: Ja, das war ein Telekom Street Gig. Wir haben ein kleines Set vor Clueso gespielt. Es waren gar nicht unbedingt viel mehr Menschen als bei anderen Konzerten, die ich schon spielen durfte. Aber das ganze Set Up war unglaublich groß und man merkt wie leicht es ist zu spielen, wenn so viele Leute sich um einen und die Band kümmern … Sound, Licht und so weiter machen.

Lasse Matthiessen

Stand schon mit Clueso auf der Bühne: Der dänische Musiker Lasse Matthiessen. Foto: Antje Taiga Jandrig

Isa: Du pendelst ja in der Regel zwischen Deutschland und Dänemark. Hast eine Wohnung in Kopenhagen und eine gleich um die Ecke. Wie kamst du nach Berlin?

Lasse: Das war vor 10 Jahren. Da habe ich studiert. Eigentlich kam ich nur für einen Austausch. Nicht lange. Ein Jahr an der HU. Dann bin ich noch ein Jahr geblieben. Ich hatte eine deutsche Freundin und habe hier meine Diplomarbeit geschrieben… und dafür ziemlich lange gebraucht. Damals habe ich noch woanders gewohnt. Erst in Prenzlauer Berg, dann in Kreuzberg und in Friedrichshain wohne ich jetzt seit 6 Jahren.

Isa: Du bist für deine Musik so oft hier in Berlin, obwohl du auch in Kopenhagen lebst. Liegt das am unterschiedlichen Publikum?

Lasse: Ich weiß es nicht genau. Also das ich hier bin hat auch viel damit zu tun, dass ich hier einfach mein Netzwerk habe und das ich ganz viel in Deutschland unterwegs war. Damals als ich angefangen habe wirklich viel live zu spielen, war ich halt in Berlin und daher kenne ich viele Leute die hier Konzerte organisiert haben. Viele kleine Konzerte. Und durch viele Musiker, die hier eine Zeit lang gewohnt haben und dann weg gezogen sind, hatte ich plötzlich auch Netzwerke in Österreich, den Staaten oder Frankreich usw.. Ich habe nie viel in Dänemark gespielt. Also schon ein bisschen, aber irgendwie war es viel leichter hierher zu fahren und zu spielen. Dazu kommt, dass es irgendwie wie ein kleines Bundesland ist…

Isa: Dänemark?

Lasse: Ja. Das sind sechs Millionen Menschen. Es gibt eine große Stadt mit 1 1/2 Millionen – Kopenhagen. Dann Aarhus – das sind 250.000. Das ist die zweitgrößte Stadt. Da kann man vielleicht einmal im Jahr eine kleine Tournee machen in größeren Städten. Außer du bist sehr, sehr bekannt. Aber selbst wenn du Erfolg hast, ist es sehr sehr schwierig davon zu leben. Sogar schwieriger als in Deutschland, wo es auch nicht leicht ist.

Isa: Hast du auch dänische Songs oder singst du manchmal auf dänisch?

Lasse: Ich singe viel auf dänisch, aber nicht meine eigene Musik. Also ich habe früher ganz lange im Knabenchor gesungen. Da bin ich von der 3. bis 9. Klasse gewesen. Das war professionell. Wir hatten sieben Stunden pro Woche ziemlich hartes Programm. Und da hab ich ganz vieles auf dänisch gesungen. Ich habe auch auf deutsch gesungen. Damals gar nicht verstanden. Mozart, Bach….

Isa: Und dann kam der Stimmbruch?

LasseDann kam der Stimmbruch und dann habe ich ganz lange gebraucht um wieder singen zu können. Denn meine Stimme war: [Lasse ahmt seinen Stimmbruch nach und lacht].

Isa: Gab es einen bestimmten Punkt an dem du dich entschieden hast Musik zu machen?

LasseAlso ich hab mich glaube ich nie dafür entschieden, dass ich Musik machen will. Das war ziemlich schnell einfach so. Das war immer da. Mein Vater ist Musiker. Ich hab meinen ersten Song mit sechs geschrieben. Ziemlich schlecht.

Isa: Weißt du noch wie der ging?

LasseNee, aber mein Vater hat es aufgeschrieben. Der hieß: „Jetzt müssen wir zur Arbeit und zur Schule“… Irgendwann wird es ein Hit. Dann hab ich halt ganz lange klassisch gesungen. In dem Chor und so. Habe Schlagzeug gespielt… Irgendwann habe ich festgestellt – ich will Gitarre spielen und singen. Und ich konnte damals nicht wirklich gut singen. Mein Stimmbruch war halt… Es war eben ziemlich schlecht. Ich habe dann Unterricht genommen, wollte Jazzgitarrist werden und habe festgestellt: „Nee, das ist es nicht.“ Ich wollte einfach meine kleinen Songs schreiben und singen und so hat das dann angefangen in Berlin.

Isa: Hast du denn auch in verschiedenen Bands gespielt? Heavy Metal oder eine ganz andere Richtung als du heute machst?

LasseJa. Zum Teil Metal. Nicht ganz hart, aber ziemlich harter Rock. Aber da habe ich nur Gitarre gespielt. Ja und Pop habe ich auch gespielt. Aber das ist lange her.

Isa: Jetzt mal zum neuen Album. Das hat 12 Titel. Da denkt man normalerweise als erste Single kommt so ein Hit von drei Minuten und du machst Seven Ravens mit über 6 Minuten. Warum?

Lasse: [Lasse lacht] Ich war da nicht der Einzige der das entschieden hat. Es gab auch Leute vom Label die das gerne haben wollten. Der Song wurde von Tobias Siebert produziert. Und wir haben gedacht, der Track hat was zu sagen. Wir hatten auch ein Video am Start und deshalb haben wir das einfach gemacht. Aber wahrscheinlich hätten wir was Kürzeres rausbringen müssen. Und das machen wir dann im Januar!

Interview Lasse Matthiessen

Unsere Autorin Isa mit Lasse Matthiessen im Gespräch vertieft … Foto: Luisa Bilke

Isa: Hat das Lied mehr eine metaphorische Bedeutung oder ist das einfach eine Geschichte die du erzählst?

LasseIch glaube das ist beides. Was am stärksten ist kann ich dir nicht sagen… Oder will ich dir nicht sagen. [Lasse grinst] Das muss man irgendwie so nehmen, wie man es selber wahrnimmt. Es gibt schon einen Rahmen, welchen die Leute hoffentlich verstehen. Aber das muss nicht unbedingt wie bei anderen Texten von mir so genau sein, dass man jetzt weiß: „Ok, das ist die Geschichte über die Großmutter von Lasse, die gestorben ist.“ Dann hätte ich es genauer beschrieben. Also wenn ich das Lied so offen lasse wie es ist und nicht deutlich mache worum es geht, dann ist es mit Absicht. Es ist eher ein besonderes Gefühl mit Beschreibungen.

Isa: Der Song Seven Ravens von dem wir gerade sprechen ist sehr schön und dramatisch arrangiert. Du machst ja viel selbst. Gibt es trotzdem bestimme Leute mit denen du dich zusammensetzt oder wie läuft das ab?

Lasse: Also die Songs schreibe ich immer selber und dann gehe ich zu meiner Band und sage: „Ich möchte gerne das und das und das.“ Ich habe meistens eine ganz genau Vorstellung von dem was ich möchte. Dann gibt es vielleicht so kleine Sachen… Zum Beispiel genau diesen einen Beat den ich mir vorgestellt habe oder genau diese Töne auf dem Bass oder so. Das hat dann natürlich auch Einfluss. Zum Beispiel mein letztes Album Carry Me Down… Da habe ich ganz bewusst, in dem Fall 5 Songs, für die Besetzung mit der Isländerin Halla Nordfjörd und Ian Fisher geschrieben, weil ich genau wusste welche Qualitäten ihre Stimmen haben. Klar haben die dann auch wiederum Einfluss auf das gehabt was dann umgesetzt wurde.  Aber es ist nicht so, dass ich mich mit irgendjemandem hinsetze und sage:  „Okay, jetzt ich habe irgendeine Idee können wir die zusammen weiter entwickeln?“ Meistens weiß ich ganz genau was ich möchte.

In Teil 2 geht es dann weiter um Lasses Schreibprozess seiner Musik, die Melancholie in seinen Songs und vor allem das Thema der Wertigkeit von Musik heutzutage.


ISAIsabelle Rogge ist 2012 nach Berlin gezogen um als Journalistin zu arbeiten. Nach einer Zeit beim Radio ist sie mittlerweile unter anderem Teil der TV Noir Redaktion und studiert Germanistik und Philosophie an der FU Berlin. Wenn sie nicht gerade schreibt, tanzt sie am liebsten Hip Hop oder mit ihrem Hula Hoop.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Comment *







*