FASHION WEEK BERLIN WINTER 2017 // DIE BESTEN SHOWS

Fashion Week Berlin Die besten Shows

© Stefan Kraul

Alles neu auf der Mercedes-Benz Fashion Week! Nicht am Brandenburger Tor, auch nicht im Erika-Heß-Eisstadium oder gar auf dem historischen Bebelplatz, sondern im Kaufhaus Jandorf fand die diesjährigen Berliner Modewoche vor. Damit hat die Fashion Week endlich einen geeigneten Ort gefunden. Denn wo könnte man die Modeszene besser feiern, als in einem einstigen Konsumtempel und späteren Modeinstitut der DDR? Für Frieda kam die neue Location sogar besonders gelegen, denn das Jandorf liegt in direkter Nachbarschaft. Und so haben wir uns selbstverständlich auch dieses Jahr wieder einige Shows nicht entgehen lassen. Das waren unsere persönlichen Highlights…

Fashion Week Berlin Die besten Shows

Erst einmal mussten wir uns zurecht finden. Denn das Kafhaus Jandorf ist mehrstöckig angeordnet, die Shows finden in den oberen Stockwerken statt, auf der untersten Etage findet sich ein Fashion Week Shop (unter anderem Steinrohner und Hien Le zu kaufen), auf der ersten Etage ist die altbekannte Jules Mumm Bar und die Lorèal Schmink-Ecke. Noch ein Stockwerk drüber dann der U-förmige Runway…

Fashion Week Berlin – Highligh #1: Holy Ghost

Zwischen Betonwänden und weißen Bänken präsentiert das wunderbare Designer-Trio Holy Ghost aus München die aktuelle Kollektion und setzt auf Simplizität in Perfektion: Leichte, luftige Stoffe treffen auf zarte Pastell- und Oliven-Töne. Leichte Blumenmuster vermengen sich mit kleinen Häkel-Details. Dazu werden Slipper und Sneaker getragen. Urbanität, Eleganz und Coolness vereinen sich erneut bei dem Münchner Label. Wenn es nach Holy Ghost geht, wird der Herbst bequem und dennoch feminin. Die drei Designerinnen Sedina Halilovic, Ivana Bogicevic und Jelena Radovanovic zeigen einmal mehr, dass sie den Blick für das Wesentliche beherrschen. Und das Beste: Die Kollektion von Holy Ghost, wie sie am ersten Schauen-Tag der Mercedes-Benz Fashion Week präsentiert wird, kommt noch diesen Monat auf den Markt.


Fashion Week Berlin – Highlight #2: Rebekka Ruetz

Bereits mit den erste Klängen von „Tainted Love“ wird klar: Rebekka Ruetz setzt bei ihrer aktuellen Kollektion auf Rock! Metallisch changierende Stoffe, silberne Plateustiefel, Fell, Leder und Samt, dunkel geschminkte Lippen und toupierte Haare treffen da aufeinander. Offenbar will die sagenhaft sympathische Designerin rebellisch wirken – entsprechend auch der Name der Kollektion „whatever“. Aber wirklich aufsehenerregend sind die präsentierten Stücke nicht, viel eher richtig tragbar. Ob das die Rebekka Ruetz mit ihren Entwürfen erreichen wollte, bleibt einmal dahin gestellt. Wir haben uns zumindest in ein Teil schon mal verliebt: Den kupfer-metallisch glänzenden Overall!


Fashion Week Berlin – Highlight #3: Marcel Ostertag

Nach einer Stunde anstehen vor den Delight Studios an der Rückseite des Soho Houses begann Marcel Ostertags Fashion Show mit dem vielversprechenden Namen „Revolution“. In der Front Row saßen Sternchen und Blogger wie Janina Uhse, Bettina Cramer, Hana Nitsche, Caro Daur und Masha Sedgwick, auf dem Laufsteg war Rebecca Mir das bekannteste Gesicht. Revolutionär war die Mode von Ostertag nicht wirklich: graue, schwarze und ecru farbene lange Strickkleider, olivgrüne Pullis, in gedeckten Farben gemusterte Overalls, weinroter Samt. Highlight der insgesamt sehr tragbaren Collection war ein langes silbrig-graues Kleid aus fließendem Material in Kombination mit einem roten Gürtel. Alles sehr herbstlich und vieles auch für jeden Figurtyp schmeichelnd. Da Tamaris (u.a. neben Seat, Jules Mumm, Redken, Nyx, Krombacher) einer der Hauptsponsoren war, trugen alle Models Tamaris- Schuhe – die Ostertag für die Marke entworfen hatte und die es nun auch in den Tamaris-Läden zu erstehen gibt.

Am Ende der Show fuhr unter Applaus ein Aubergine farbene Seat auf den Laufsteg, dann kam der ganz in schwarz gekleidete Designer auf den Catwalk (übrigens nicht auf High-Heels, wie er es auch schon tat). Ihm wurde ein Mikro gereicht und er sprach von seinem Verständnis von Revolution; er werde sich ab sofort nicht mehr dem Diktat unterwerfen, wann er für welche Saison Kollektionen vorzustellen hat. Somit präsentierte Ostertag dieses Mal nicht die Mode für den Sommer 2018 sondern für den Winter 2017/2018 vor. Das erntete Beifall. Er bedankte sich dann noch brav bei den Sponsoren, dann begann die Aftershow Party mit heiß begehrtem Flying Buffet und – na klar – Jules Mumm und Krombacher. Übrigens: Marcel Ostertag feiert dieses Jahr 10-jähriges Jubiläum. Und er produziert nach wie vor in Deutschland. Diese Konstante in der Modewelt gleicht ja schon fast einer Revolution.

Fashion Week Berlin – Highlight #4: Steinrohner

Tag drei der Fashion Week in Berlin stand ganz im Zeichen der jungen Wilden. Da durfte das geniale Designer-Duo Steinrohner nicht fehlen. Seit jeher steht die Marke für einen avantgardistischen Stil. Und auch dieses Mal vermengen Inna Stein und Caroline Rohner Mode mit einem Hauch Kunst. Dabei sind es zweifellos die 1920er Jahre, aus denen Steinrohner Inspiratoin schöpfte: Samt und Perlen, Fransen und Felle zieren die Entwürfe der Kollektion „Symbiosis“. Winterlich, erdige, warme Töne dominieren dieses Jahr bei Steinrohner. Nur mit einem dezenten floralen Muster wird die Farbkollektion durchbrochen – das sorgt für etwas mehr Verspieltheit in der sonst recht geradlinigen, aber ganz und gar nicht unweiblichen Kollektion. Cooler Stilbruch: Viele der Models tragen Cappies. Und das wirkt im sonst edlen Look extrem passend!


Fashion Weeg Berlin – Highlight #5: Marina Hoermanseder

Sie gehört mittlerweile zum großen Star unter den Designern der Fashion Week Berlin: Marina Hoermanseder. Auch dieses Mal wurde ihre Show wieder sehnlichst erwartet, nicht nur von mir. Und wieder einmal überzeugte die gebürtige Wienerin und Wahl-Berlinerin. Im Fokus (wie immer) Orthopädie und Fetisch vermengt mit zarter Weiblichkeit. Mit diesem scheinbaren Widerspruch arbeitet Marina Hoermanseder in jeder ihrer Kollektionen. Bei der aktuellen Linie beeinflussten zudem die viktorianische Zeit, die 1920er und 1960er die Entwürfe. Zartes wie Raffungen, Rüschen und Schleifen treffen auf pompöses Volumen. Lack, Leder und Satin werden wild, aber nicht willkürlich gemixt. Marlenehosen und Schluppenbluse werden zu Overknees, Minirock und Lackgürtel kombiniert. Farblich reicht Hoermanseder Palette von Altrosa über Beerentöne bis hin zu Schwarz (wobei man Letzteres nicht oft bei der Designerin sieht). Die Arbeiten wirken rougher. Wie passend, dass zu der dunklen Farbauswahl der Song „You Want It Darker“ des kürzlich verstorbenen Singer-Songwriters Leonard Cohen aus den Lautsprechern erklang. Ebenso wie herrlich schräge Opernmusik, Falcos „Vienna Calling“ und zum Abschluss“Gangsta’s Paradise“ von Coolio. Eine vielseitige Songauswahl, vielleicht auch um die Vielseitigkeit von Marina Hoermanseder zu unterstreichen. Denn die präsentiert mit der aktuellen Herbst-/Winterkollektion einen facettenreicheren Stil, als jemals zuvor; ohne ihre Marke zu verfremden. Wie immer gelungen; und ganz ohne Frage ein Highlight der Fashion Week Berlin.


Fashion week Berlin – Highlight #6: I’VR Isabel Vollrath

Seit jeher bewegt sich Isabel Vollrath im Spannungsfeld von Kunst, Mode und Architektur: Und so wirken auch die Entwürfe ihrer jünsten Kollektion „Serenissima“ skulptural – aber nicht statisch. Venedig – und dessen Baukünste – dienten bei den Kreationen als Inspiration. Und so plätschert in voller Lautstärke aus den Boxen das Geräusch von Wasser, während die Models langsam über den Laufsteg schweben: Ausladende Röcke, geplusterte Ärmer, eine sagenhaft präzise und aufwendige Schnittführung und jede Menge Karomuster in gedeckten Farben dominieren die aktuelle Kollektion von Isabel Vollrath. Wie man bei weiter Kleidung dennoch eine feminine Silhouette schafft, zeigt die Designerin an den zahlreichen Entwürfen (Isabel Vollrath war im vergangenen Jahr offenbar fleißig). Gebundene Gürtel sorgen für Taille, Blousons in Wickeoptik betonen die schönsten Stellen der Frau. Dabei sind die Stücke so aufwendig gefertigt, es bedarf keiner weiteren Details – und erst recht keine Accessoires. Das würde den Kunstwerken nur ihrer Wirkung berauben.

Fotos (wenn nicht anders vermerkt): © Mercedes-Benz Fashion Week – all right reserved.

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