Essen im Wunderland

Wonderland for Royal Carribean Cruises 2014

© Royal Carribean Cruises

Normalerweise – so geht die Geschichte jedenfalls – verschwindet das Mädchen Alice in einem Hasenloch und taucht dann im Wunderland wieder auf. Dort wird sie geschrumpft und durchlebt einige abenteuerlich-absurde Episoden mit mordlüsternen Königinnen, verrückte Hutmachern, Grinsekatzen und mehr. Und zwischendurch taucht auch immer wieder das Thema „Essen“ auf, denn wie schrieb der Autor Lewis Carroll in seiner Geschichte so schön…

„Alice interessierte sich immer sehr für Essen und Trinken“

Und nun ja, wer mich im realen Leben oder aus meinem Blog hier kennt, der weiß, dass ich mich auch ein wenig für Essen und Trinken interessiere. Und genau deshalb wurde ich auch so neugierig, als ich von einem Restaurant auf einem Kreuzfahrtschiff hörte, das den Namen „Wonderland Imaginative Cuisine“ trug.

Royal Caribbean

© Royal Carribean Cruises

Jetzt sind Kreuzfahrtschiffe an und für sich ja schon irgendwie eine ganz eigene (Wunder-)Welt mit verrückten Riesenrutschen, wahnwitzigem Entertainment in Form von bordeigenen Fallschirmsprungsimulatoren oder sogar Roboter-Barkeepern. Aber beim Thema Essen ist da eigentlich nicht so viel Innovation, wenn man mal von der Masse an Speisemöglichkeiten auf jedem Kreuzfahrtriesen absieht und sich vor dem imaginären Auge in einer ellenlangen Schlange am Buffet stehen sieht.

Wonderland for Royal Carribean Cruises 2014

© Royal Carribean Cruises

„Die Kiesel verwandelten sich alle in kleine Kuchen, als sie auf dem Boden lagen“

Vielleicht hat Lewis Carroll in „Alice im Wunderland“ ja auch schon die Molekularküche vorweg genommen, als er die obige Textzeile schrieb. Und dann muss jemand beim Kreuzfahrtunternehmen Royal Caribbean wahrscheinlich ebenfalls tief in ein eigenes Wunderland hinabgestiegen sein. Denn wie sonst ließe sich erklären, dass ein Konzept wie das von „Wonderland Imaginative Cuisine“ über den Planungsstatus hinweg kommt und radikal auch gleich auf mehreren Schiffen umgesetzt wird? Gut, dass es solche verrückten Restaurants in Japan gibt, kann man sich ja denken, aber auf einem Kreuzfahrtschiff, auf dem 6.000 Passagiere Platz finden?

Veggies in Garden for Wonderland for Royal Carribean Cruises 2014

© Royal Carribean Cruises

Da hat sich jemand etwas gewagt. Wer ins Wonderland will, tritt durch eine freistehende goldene Türe. Die Kellner und Kellnerinnen tragen lila Samtfräcke, die Dekoration ist wunderlich und prächtig – ausgefallene Sitzmöbel, Porzellanblumen an der Decke und von den Wänden grüßen Grinsekatze und Co auf geschmackvollen (!!) Wandtellern. Die Speisekarte steht gerahmt auf dem Tisch und muss selbst sichtbar gemacht werden – unter dem Motto „Finde Dein Element“ stehen Sonne, Eis, Feuer, Wasser, Erde und Träume zur Auswahl. Und das Skurrile und Extreme gelten sowohl fürs Interieur als auch fürs selbst Essen, das nach Aussage der Köche „all about textures and flavours“ ist.

Wonderland for Royal Carribean Cruises 2014

© Royal Carribean Cruises

„Sie lebten von Syrup,“ versetzte das Murmelthier

Ganz im Sinne der Molekularküche ist hier Vieles nicht, wie es scheint. Die Gazpacho ist farblos und wird in einem Reagenzglas serviert. Salat wird als verzauberter Garten präsentiert und verwandelt sich durch einen Schuss Dressing in ein Winterwunderland. Und wer bis zum sechsten Gang durchhält, der bekommt auch sein ganz persönliches „Kiesel-in-Kuchen“-Erlebnis: „The World“.

Wonderland for Royal Carribean Cruises 2014

© Royal Carribean Cruises

Hier gilt wie bei Alice im Wunderland: Genau hinschauen. Was aussieht wie eine Kugel aus Schokolade, schmilzt wird durch die Zugabe von warmer Karamellsoße zusammen zu einer Mischung aus Peanutbutter-Ganache und gesalzenem Karamelleis … und spätestens da lief mir das Wasser vorm Bildschirm im Munde zusammen. Wenn es Euch jetzt genauso geht, dann klickt bitte schnell auf diesen Link. Ich verrate nichts. Nur, dass Ihr hier ein Kontrastprogramm seht – ebenfalls sehr lecker, aber völlig anders.

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