Die Fashion Week Berlin: Tag 3 // The Fashion-Diary

Fashion Week Berlin

Am dritten Tag der Fashion Week Berlin, wenn manch einer schon eine Reihe an Shows hinter sich hat, wird es zunehmend anstrengend, von Runway zu Runway zu hetzen. Insbesondere dann, wenn man nicht mit dem Shuttle durch die Gegend cruist, sondern zu Fuß, per Bahn oder Rad unterwegs ist. Andererseits: Fashion Week ist nur zwei Mal im Jahr (schalalalalalaaaa) und so haben wir noch einmal unsere Kräfte gesammelt und uns ins Berliner Modegetümmel geworfen. Es hat sich gelohnt! Einige Highlight-Shows von genialen Designerin bot der Donnerstag. So war Tag 3 der Fashion Week Berlin…

In Love With … Marina Hoermanseder <3

Fashion Week Berlin Marina Hoermanseder

(von Frieda Hintze)

Zu Recht wird Marina Hoermanseder als eine der ganz Großen auf der Berliner Fashion Week gefeiert. Dieses Mal musste die wunderbare Designerin gleich zwei Stockwerke im Kronprinzenpalais für ihre Präsentation der Herbst-/Winterkollektion in Beschlag nehmen. Die Kreationen zeigten einmal mehr das Können von Marina Hoermanseder: Inspiriert an der Flugpionierin Amelia Earhart, die als erste Pilotin der Welt den Atlantik überquerte, strotzt die aktuelle Kollektion nur so vor Kraft und Anmut: Fliegerjacken, Bundfaltenhosen, wippende Röcke sowie Rosé und Kastanienbraun finden sich da ebenso wieder, wie altbekannte, knallenge Schnallenröcke und Plastikcorsagen. Wunderbar geschnittene Culottes werden bei Hoermanseder zu Kastenjäckchen getragen. Der Charme und die Eleganz der 1920er und 1930er Jahre spiegelt sich in den Kreationen wider. Das meiste ist tragbar und begehrenswert – nur das eine oder andere Signature-Stück ist wohl eher dafür gedacht, das Können der Designerin zu repräsentieren.

Man könnte den Models ewig dabei zuschauen, wie sie die Stücke von Marina Hoermanseder vorstellen. Die Kreationen sind erneut zum Verlieben. Einziges Manko: Die Schuhe. So mörderisch hoch, so verschwindend dünn sind die Absätze, man sah dem starren Blicken des einen oder anderen Mädchen die Angst zu Fallen förmlich an. Aber alles ging gut und natürlich gehören unsagbar hohe Schuhe auf den Fashion Weeks dieser Welt quasi zum guten Ton. Dennoch ist es schade, wenn ein Model auf utopisch geformten High Heels mehr stolpert, als läuft. Das zieht auch die Kollektion der Designerin ein wenig ins Lächerliche. Und das wird wiederum einer großartigen Modemacherin, wie Marina Hoermanseder eine ist, als auch ihrer erneut gelungenen Kollektion, einfach nicht gerecht.


Dimitri: Glamour, Drama, Glitter – aber fehlender Mut

Fashion Week Berlin Dimitri

(von Silke Böttcher & Frieda Hintze)
Dimitri Panagiotopoulos ist einer der Designer, die Eleganz und Sinnlichkeit in Einklang bringen kann: Und in seiner aktuellen Herbst-/Winter-Kollektion schafft es der Italiener einmal wieder, eng anliegendes Leder sexy, aber nicht billig wirken zu lassen. Das liegt vor allem auch an den Kombinationen. Eine üppige helle Felljacke oder ein langer schwarzer Mantel geben der schmalen Lederhose Eleganz. Aber auch Ledermäntel, -jäckchen und Miniröcke kommen dank ungewöhnlicher Details edel rüber.

So sehr Dimitri Leder liebt – er kann durchaus anders: Da gibt es die bis zu den Knien reichende fließende Bluse oder (ein Highlight!) das lange altrosafarbene Kleid, das an die Roben der schönen griechischen Helena erinnert. Einige Stücke haben wiederum Ähnlichkeit mit Tuniken – in der Taille sind sie mit breiten goldenen Gürteln zusammengehalten. Drama Baby, Drama: Denn da gibt es Kleider, die kurz und glitzernd sind und andere, die mehr oder weniger nur aus langen Fransen bestehen. Nur für Mutige sind auch das korsagenartige Oberteil aus Leder mit Wespentaille und Schößchen und der Rock aus schwarzem Teddystoff, für den man schon sehr groß und sehr schlank sein sollte – allen anderen würde der dicke Stoff keinen Gefallen tun.

Wunderschön sind die Hosen und Oberteile aus glänzendem schwarzen Material. Prachtvoll ist das ärmellose schwarze Kleid mit einem großformatigen goldenen Glitzermuster. Aber auch Tüll taucht auf. In einem überknielangen schwarzen Rock etwa, der zu einem gleichfarbigen, eng anliegenden Oberteil mit goldenem Muster am Dekolleté kombiniert wird.

Man kann Dimitri nicht zum Vorwurf machen, seine Stücke seien nicht tragbar. Im Gegenteil: Man würde seine Mode vom Model weg kaufen. Die Schnitte sind wunderbar, die Arbeit stets sorgfältig. Es ist wohl eher an manchen Stellen fehlender Mut, den man dem Designer ankreiden könnte, wenn man denn wollte. Die aktuelle Kollektion ist zwar glamourös, elegant, größtenteils sehr geschmackvoll, aber eben nicht neu. Ob man sich daran stören will, das sei jedem selbst überlassen. Zumindest zeigte Dimitri am Donnerstagmittag erneut, das er ein Bewusstsein dafür hat, was sich verkaufen kann. Und das ist strategisch in jedem Fall die richtige, die gute Wahl.


Von Philomena Zanetti will man mehr sehen

Philomena Zanetti

(von Silke Böttcher)

Philomena Zanetti klingt italienisch, dabei steckt dahinter eine (Wahl-)Berlinerin. Die Designerin Julia Leifert hat für ihr Label den Namen ihrer aus Südtirol stammenden Urgroßmutter entliehen. Doch die Mode, die sie entwirft, hat auch Verbindung mit Irland. Die kargen Küstenlandschaften haben die Designerin zu ihren Stücken inspiriert.

„Redefining Melancholia“ ist das Motto der Kollektion, die mit minimalistischer Musik und statt auf einem Catwalk mit drei Podien im Collector’s Room (Auguststraße) vorgeführt wurde. Die Models blieben – mit weißer Linie im Gesicht und starrem Blick – lange genug stehen, um die Entwürfe von allen Seiten sehen zu können. Das brachte Ruhe, gleichzeitig aber auch ein bisschen Verwirrung ins Publikum, das an die raschen Abläufe auf dem Catwalk gewöhnt ist. Und an Sitzplätze – diesmal musste jeder stehen. Das mit der Melancholie hat Julia Leifert wörtlich genommen. Farben von grau über dunkelgrün bis braun dominieren die Kollektion, die Materialien sind fest und dick, womit die Designerin Geborgenheit ausdrücken möchte. Auch Oversize-Strickpullover sind dabei.

Eine Lieblings-Kombination war der knielange schwarze Mantel, unter dessen 3/4-Ärmeln ein dicker grüner Strickpullover hervorguckte, der auch noch einen dicken wärmenden Kragen hat. Perfekt für wildes Wetter, auch in der Stadt.

Jacken im Kimono-Stil, Yogapants und weite Schnitte, dunkles Grün und helles Grau, gibt es auch in dieser Kollektion der Designerin, die auf Nachhaltigkeit setzt und mit ihrem Label Umweltbewusstsein und High End Fashion in Einklang bringt. Ich bin gespannt, mehr von Philomena Zanetti zu sehen!


Perret Schaad: Baumarkt-Fashion

Fashion Week Berlin Perret Schaad

(von Silke Böttcher)

Baumärkte und Mode – das ist nun nicht unbedingt eine Verbindung, auf die man sofort kommen würde. Das Berliner Designerinnen-Duo Perret Schaad aber hat sich etwas dabei gedacht, als es einen Hellweg-Baumarkt in der Yorckstraße für die Präsentation seiner Kollektion auswählte (sicher nicht, um Mode-Redakteure zu irgendwelchen „Hammer“-Sätzen zu verleiten…).
Lange Blickachsen und die schiere Größe waren Argumente für diese ungewöhnliche Location, aber den Designerinnen ging es auch darum, ihre Mode an einem Ort zu zeigen, der so ziemlich das Gegenteil dessen ist, was man sonst von Modenschauen kennt. Ein Alltagsort nämlich und keine künstliche Kulisse. Hinzu kommt, dass ein Baumarkt ein Platz ist, der dazu inspiriert, aus Einzelteilen Neues zu kreieren. Für die Show wurden Bierbänke aufgestellt und Holzstapel dienten als zusätzliche Sitzflächen. Platz war ja genug – die Gänge sind breit.

Die Mode von Perret Schaad umgibt immer etwas Ätherisches. Die Farben variieren zwischen Pastell und dunklen Tönen, die Schnitte sind fließend. Glänzende Materialien und unterschiedliche Oberflächen setzen Akzente – hier Seiden-Crêpe de Chine, dort Angora, hier Goldlamé, da gewachste Baumwolle. Zu den auffälligsten Details gehören aufgesetzte, asymmetrische Streifen in Kontrastfarben, die zum Beispiel ein schlichtes schmales schwarzes Strickkleid aufpeppen. Und „Blätter“ in Orange, Grün und anderen Farben, die in Schulterhöhe, aber auch mal an der Seite des Oberteils sitzen. Das ist ziemlich neu für Perret Schaad, die lange Zeit auf Muster mehr oder weniger verzichtet haben.
Die Holzstapel des Baumarktes bildeten einen spannenden Kontrast zu den weiblich-eleganten Outfits mit weiten, fließenden Hosen, körpernahen Oberteilen und wehenden Mänteln. Eines meiner Lieblings-Outfits war die silbrigweiße Hose mit dem darübergetragenen knielangen Tunikakleid aus grünglänzendem Stoff – absolut edel.
Drama sucht man bei den Stücken von Perret Schaad vergeblich, aber dezent sexy – das gibt es. Zum Beispiel bei einem Outfit mit langem schwarz-weiß kariertem Rock, Bustier in der gleichen Farbe und einem darübergetragenen schwarz-transparenten Mantel. Hinzu kommen reizvolle Kontraste – etwa bei einem grau-weiß karierten Wickelrock , der viel Bein zeigt und zu einem weit geschnittenen zartlilafarbenen Strickpullover mit Rollkragen kombiniert wird.

Beim Sekt danach, zwischen Brettern und Armaturen genossen, kam dann die Frage auf: Wo werden Johanna Perret und Tutia Schaad wohl ihre nächste Show stattfinden lassen?


HolyGhost und die Neuerfindung des Großstadt-Styles

Holy Ghost Fashion Week Berlin

(von Frieda Hintze)

Wenn Jelena Hofmann und Sedina Halilovic am Ende einer Show auf den Laufsteg treten, um sich zu bedanken, dann wirken die beiden schönen Frauen immer noch auf sympathische Art und Weise zurückhaltend, nahezu schüchtern (obwohl sie das nicht sein müssten). Ganz im Gegensatz zu ihrer Mode, die stark und selbstbewusst ist und auch dieses Jahr wieder überzeugt.

Petrolblau trifft auf Senfgelb: eine todsichere Farbkombi, die allerdings längst vergessen schien. HolyGhost gräbt sie bei der aktuellen Herbst-/Winterkollektion wieder aus. Helles Grau und ein dunkles Nachtblau findet sich ebenfalls bei den Kreationen wieder. Die beiden Designerinnen setzen erneut auf A-Linien und weite, aber raffinierte Schnitte. Das ist die Handschrift von HolyGhost und die ist gelungen. Rollkragen und hochgeschlossene Hemdkleider erinnern an die Kleidung der 1960er Jahre. Dabei werden feste Stoffe mit leichten, in Falten fallenden kombiniert. Lieblingsteil (wenn man denn eines wählen muss, denn alle Kreationen machen glücklich): Der hellgraue Mantel mit farblich abgesetzter, schwarz-roter Borte. Genial.

Körperbetonte, extrem feminine Mode findet man woanders. Kreationen von HolyGhost sind den coolen, urbane Frauen gedacht. Solche, die sich ihrer Sexualität stets bewusst sind, sie aber nur subtil zur Schau stellen brauchen.


Augustin Teboul: Not only #allblackeverything

Augustin Teboul

(von Isabelle Rogge)

Bislang galt es als besonderes Markenzeichen von Annelie Augustin und Odély Teboul, dass ihre Mode stets nur eine Farbe kannte: Schwarz. Umso aufregender die Nachricht kurz vor der Show, dass es in diesem Jahr zum ersten Mal anders sein sollte. Und tatsächlich gab es diesmal einige bunte Farbtupfer zu sehen…

Um es klar zu sagen: Der Grundton der neuen Kollektion ist immer noch schwarz und nimmt den Löwenanteil der Kollektion ein. Sie ist zwar ein Experiment aber keine neue Erfindung des Labels. Aber warum sollten Augustin Teboul ihr erfolgreiches und markenträchtiges Konzept gleich komplett über Bord werfen?
So verzierten also viele bunte, aufwendig ausgearbeitete Applikationen die unbunten Kleider, welche mal mit mehr und mal mit weniger Stoff  die Models umspielten. Tolle Hingucker waren die ursprünglich schwarzen Netzstrumpfhosen mit eingeflochtenen und eingenähten farbigen Fäden. Zu sehen gab es vor allem eines: Viel nackte Haut, häufig verdeckt von Tüll. Das finale Stück: Ein für Augustin und Teboul ziemlich bunter Tüllrock.

Besonders herbst- bzw. wintertauglich sind die Looks zwar nicht. Dennoch eine wirklich gelungene Kollektion, die man aufgrund ihres Wagemuts vermutlich leider nicht so schnell auf der Straße sehen wird.


Vladimir Karaleev: Der Expressionist

Fashion Week Berlin Vladimir Karaleev

 

(von Frieda Hintze)

Dieses Saison verzichtete Vladimir Karaleev auf eine klassische Runway-Show und präsentierte seine aktuelle Herbst-/Winterkollektion als Tableau. So hatte man als Gast (in dem dichten Gedränge) genügend Zeit, sich die Details der neueste Karaleev-Kreationen zu betrachten. Offene, nicht umgelegte Säume, an denen die Fäden heraushängen, Nähte, die nach außen stehen, Material- und Mustmix, grober Strick trifft auf fein gewobene Stoffe, ungewöhnliche Schnitte und Lagen über Lagen: Vladimir Karaleev macht mit seiner aktuellen Kollektion dem Begriff „Bricolage“ wieder einmal alle Ehre. Es scheint so, als hätte Karaleev mit vorhandenen Stoffressourcen experimentiert. Stets haben seine Entwürfe etwas „zusammengewürfeltes“, ohne konzeptlos zu wirken. Im Ganzen, insbesondere in Betrachtung der gesamten Kollektionen, ergeben seine Kreationen einen ästhetischen Sinn.

Nun mag man über die Tragbarkeit von Vladimir Karaleev streiten. Doch ist das der falsche Ansatz. Denn wer nur zufrieden ist, wenn Designer  auf der Fashion Week ausschließlich Kreationen zeigen, die vielen, oder gar allen, gefallen und die ebenso viele von der Designerstange wegkaufen würden, der ist auf der Berliner Modewoche falsch. Karaleev zumindest – das zeigt er erneut – ist ein Expressionist. Und Expressionismus war noch nie für Jedermann gedacht.


 

Unter diesem formschönen, durch-designten Link geht es zu allen Beiträgen aus unserem diesjährigen Fashion-Diary zur Mercedes-Benz Fashion Week.

Fotos: © Mercedes-Benz Fashion Week

4 Comments on Die Fashion Week Berlin: Tag 3 // The Fashion-Diary

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